Was Eltern tun können, wenn das Wachstum beim Kind Schmerzen verursacht.
In der Wachstumsphase können Kinder abends oder nachts immer wieder unter Schmerzen in Beinen und Armen leiden. Für manche wird das Größerwerden dadurch zur Qual.
Sie lassen sich weder durch Laborwerte noch durch Röntgen oder MRT nachweisen. Trotzdem sind sie da und hindern manche Kinder abends am Einschlafen. Etwa 20 bis 40 Prozent aller Kinder leiden unter sogenannten Wachstumsschmerzen. Betroffen sind die meisten in den Wachstumsphasen zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr sowie dem zehnten und 16. Lebensjahr. Solche Schmerzen können zwei- bis dreimal im Jahr auftreten, dauern einige Wochen und verschwinden dann wieder. Danach ist einige Monate Ruhe, bevor sie wiederkommen.
Schmerzauslöser ungeklärt
Was die Wachstumsschmerzen auslöst, ist bis heute nicht ganz klar. „Eine eindeutige Ursache gibt es nicht. Da die Schmerzen im Wesentlichen im Kniegelenksbereich, an den Unterschenkeln bis zu den Fußrücken auftreten und in diesen Regionen die Wachstumsfugen der Beine liegen, wird der Zusammenhang mit dem Wachstum angenommen“, erklärt Dr. Catharina Chiari, Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. „Die Schmerzen treten vor allem nachts auf. In der Nacht wird das Wachstumshormon ausgeschüttet und das Wachstum auf Zellebene angeregt. Auch das dürfte eine Rolle in der Schmerzentstehung spielen.“ Die Theorie besteht darin, dass die Dehnung der Muskeln und Bänder Schmerz auslösen könnte, da der Körper schneller wächst als die Sehnen oder Bänder selbst. Während der Abendstunden erfolgt zudem eine zusätzliche Streckung des Körpers. Befindet sich das Kind gerade in einem Wachstumsschub, kann es sein, dass die Körpergröße über Nacht um 0,2 Millimeter zunimmt. „Erst wächst der Knochen diskontinuierlich,
und die Weichteile werden in den Tagen danach hinterhergezogen. Daraus entsteht ein Spannungsgefühl in Ruhe, also typischerweise abends im Bett“, erklärt
Dr. Holger Förster, Facharzt für Kinder- und Jungendheilkunde.
Richtige Behandlung
Das Wichtigste bei der Behandlung von Wachstumsschmerzen ist Zuwendung. Eltern sollten ihr Kind trösten und ihm eventuell auch etwas vorlesen, denn Ablenkung verringert den Schmerz. Warme Umschläge an den schmerzenden Stellen bringen Erleichterung, ebenso werden Wärmeflaschen oder warme Bäder als angenehm empfunden. Als natürliches Heilmittel können auch nächtliche Wickel aus reiner Schurwolle Abhilfe schaffen. Diese sind unter dem Namen Heilwolle erhältlich und aktivieren die Durchblutung der Haut. Auch kreisrunde Massagen mit entzündungshemmenden Salben oder Johanniskrautöl werden empfohlen, ebenso Infrarotbestrahlungen und sanfte Dehnungsübungen der Oberschenkel- und Wadenmuskulatur. Bei der Gabe homöopathischer Mittel wie Guaiacum D6 oder den Schüßler-Salzen Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum oder Phosphorus sollte man sich vorab von einem Arzt oder Apotheker hinsichtlich der richtigen Anwendung und Dosierung beraten lassen. Wenn die Schmerzen in akuter Form auftreten, können im Notfall nach Rücksprache mit dem Arzt Schmerzmittel in altersgerechten Dosierungen verabreicht werden.
Bei anhaltenden Beschwerden zum Arzt
Wachstumsschmerzen kommen und gehen, treten einmal links und einmal rechts auf. Auch wenn sie das Kind abends oder nachts nicht einschlafen lassen, sind sie am Morgen meist wie von Zauberhand verschwunden. Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder ernst nehmen, denn zumeist sind die Schmerzen real und rühren nicht daher, dass das Kind keine Lust hat, am nächsten Tag in die Schule zu gehen oder nicht am Turnunterricht teilnehmen will. Formal handelt es sich um eine „Ausschlussdiagnose“, das bedeutet, dass keine andere Schmerzursache gefunden werden kann. Auch wenn Wachstumsschmerzen harmlos sind, sollte man, falls die Beschwerden nach zwei Wochen nicht verschwinden und der Schmerz nicht „wandert“, sondern nur an einer Stelle auftritt, einen Arzt aufsuchen. Auch bei Rötungen, Schwellungen oder Überwärmungen und wenn Bewegungseinschränkungen den ganzen Tag über anhalten, gilt es, abzuklären, ob sich hinter den vermuteten harmlosen Wachstumsschmerzen eventuell ernste Erkrankungen verbergen. So könnte es sich auch um Knochenentzündungen, rheumatische Erkrankungen oder gar Tumore handeln.
