Auf Einladung des Katholischen Familienverbandes diskutierten fünf Väter gemeinsam den Mehrwert der Männer im Leben ihrer Kinder.
Zuvor skizzieren die beiden Wissenschaftler Erich Lehner und Raphael Bonelli die Entwicklung vom autoritären Vater über die Laissez faire Zeit bis zum heutigen Väterbild und wie viel Weiblichkeit ein Vater braucht.
„Männer können es genauso gut wie Frauen“, ist Männerforscher und Psychotherapeut Erich Lehner überzeugt. Er zeigt in seinem Vortrag „Wieviel Mütterlichkeit braucht ein Vater“ im Rahmen der Veranstaltung Väter 4.0. auf, dass es zahlreiche wissenschaftliche Beweise gibt, dass Männer auch Eigenschaften entwickeln können, die traditionell eher den Müttern zugeschrieben werden.
„Am besten wäre es für die Vater-Kind Bindung, wenn die Mutter nach einem halben Jahr eine Weltreise machen würde und die Omas Betretungsverbot hätten.“
Erich Lehner
Ein Kern Wahrheit steckt aber darin: „Väter sollten schon alleine mit ihren Kindern sein und die Pflege übernehmen. Aus zahlreichen Fällen wisse man, dass sie innerhalb von zehn Tagen in der Lage sind, Kinder kompetent zu versorgen und zu betreuen“, so der Wissenschafter und liefert Studien die zeigen, dass es auf die Persönlichkeit der beiden Elternteile ankommt und nicht auf das Geschlecht.
Vom Mehrwert der Väter
Dass Väter wichtig sind für ihre Kinder, davon ist auch Raphael Bonelli, Psychiater und systemischer Psychotherapeut überzeugt. Er sieht den Mehrwert des Vaters für Kinder vor allem in den traditionell männlichen Eigenschaften: „Die Zusammenfassung der Dimension der Väterlichkeit ist die Stärke. Frauen und Männer ergänzen sich perfekt und es ist beglückend, wenn man es in der Partnerschaft umsetzen kann und Kinder davon profitieren“, sagt er in seinem Vortrag: „Erst zwei Blickwinkel der Eltern sehen dreidimensional. Von diesen unterschiedlichen Blickwinkeln profitiert das Kind.“ Bonelli befürchtet: „Wenn der Vater versucht besonders mütterlich zu sein, dann wird das Paar einäugig.“
Alltag von Vätern
Starke Statements, doch wie sieht der Alltag von Vätern aus und wie leben und erleben sie ihre Vaterrolle? Darüber sprachen fünf Väter in der anschließenden Diskussion. Michael Ausserer, Chefredakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ und selbst zweifacher Vater moderierte einfühlsam und führte durch den Abend.

Thomas Maximiuk, Vater von zwei Kindern Thomas Maximiuk, Vater von zwei Kindern arbeitet als Steuerberater arbeitet Vollzeit, seine Frau ist teilzeitbeschäftigt und kümmert sich um die Kinder: „Im Beruf ist viel Stärke und Zielstrebigkeit gefragt, vielleicht können Kinder von diesem Vorbild profitieren“ so Maximiuk. Er pflichtet Lehner mit seiner Aufforderung Männer mit den Kindern alleine zu lassen, bei: „Meine Frau ist Krankenschwester. Ich war vor allem an den Wochenenden viel alleine mit den Kindern. Das hat gut geklappt und wir haben sicher davon profitiert.“ Thomas Ellmauer, Patchworkfamilie In einer Patchworkfamilie lebt Thomas Ellmauer. Er hat zwei Kinder aus erster Ehe, die die Hälfte der Zeit bei ihm verbringen sowie zwei Kinder aus zweiter Ehe: „Meine Vaterrolle habe ich bereits in meiner ersten Ehe gefunden und sehr erfüllend gelebt. Der große Kampf darum ist erst nach der Trennung losgegangen“, so Ellmauer und kritisiert: „Die Väterbeteiligung wird sehr unterstützt in aufrechter Beziehung. Im Trennungsfall muss man sehr darum kämpfen.“ Karl Bohdalek, Alleinerzieher Kämpfen musste auch Karl Bohdalek. Er ist seit dem Tod seiner zweiten Frau alleinerziehend, sein jüngster Sohn lebt mit neuen Jahren noch bei ihm. „Ich glaube, wenn eine Rolle nicht besetzt ist, wird sie durch jemand anderen eingenommen“, so seine Erfahrung. „Ich habe oft die Rolle gewechselt. Galt es auf den Tisch zu hauen, dann hab ich es gemacht. War Empathie gefragt, habe ich diese Rolle eingenommen. Wann die weibliche Komponente fehle? „Immer.“ Bernhard Lindbichler, vier Kinder Laut ist es im Hause Lindbichler. Mit drei Buben und einem Mädchen sei immer etwas los, dabei nehme die Familie auf Tochter Pia (7) besonders Rücksicht– sie hat Down Syndrom: „Bei uns dauern die Übergänge oft länger, etwa wenn wir das Haus verlassen wollen und Pia gerade beschlossen hat, einen Kuchen zu backen“, berichtet Bernhard Lindbichler. „Das müssen wir respektieren und in den Familienprozess miteinbeziehen.“ Die Kinder in ihren Entwicklungsphasen begleiten zu können war auch die Motivation für seine Väterkarenz: „Aber nicht nur deswegen, auch, damit meine Frau ihren Turnus fertigmachen konnte“, so Lindbichler und erinnert sich: „Eine schöne Zeit für mich, für meine Frau war es schwieriger“, so der vierfache Vater und sagt: „Für mich war die Rückkehr zur Arbeit dann aber auch nicht leicht.“ Ralf Sauer, Großvater Die Vaterrolle aus der Perspektive des Großvaters sieht Ralf Sauer: „Man bleibt auch als Großvater selbstverständlich Vater. Unserem Enkel können wir uns aber mit einer ganz anderen Präsenz widmen als wir es als Eltern konnten. Das finde ich grandios und das machen wir sehr gerne“, so der zweifache Vater über die Beziehung zu seinem Enkelkind. Als Psychotherapeut beobachtet er: „Ich habe noch nie einen Mann getroffen, der geglaubt hat die Mutter ersetzen zu können. Wohl aber manche Mütter, die geglaubt haben, sie können den Vater ersetzen.“ Previous Next
Fazit der Veranstaltung
Es gibt viele Ansichten zum Thema Vater und viele Wege seine Vaterrolle zu entdecken: „Wichtig ist, dass Väter präsent sind im Leben ihrer Kinder. Es ist für sie selbst die größte Bereicherung“, ist Familienverbandspräsident Alfred Trendl überzeugt. Als einzige Frau kam an diesem Väterabend die Wiener Vorsitzende Barbara Fruhwürth zu Wort: „Vater sein – verpass nicht die Rolle Deines Lebens wird auch im kommenden Jahr unser Schwerpunktthema sein. Wir wollen Väter zur aktuellen Teilhabe an Erziehung und Betreuung animieren, denn davon profitieren nicht nur wir Mütter, sondern vor allem die Väter und natürlich die Kinder.“
