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Home » Tierische Therapeuten helfen
Gesund bleiben

Tierische Therapeuten helfen

adminVon adminSeptember 9, 2018Aktualisiert:März 6, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Die tiergestützte Therapie kann positive Effekte auf Patienten und das Pflegepersonal haben. Eine Psychologin der Universität Basel untersucht, wie Tiere die Rehabilitation nach einem Unfall unterstützen können.

Hasen, Katzen, Pferde, Schafe – was wie die Beschreibung eines Streichelzoos klingt, sind in Wahrheit die tierischen Mitarbeiter des Rehab Basel. Anzutreffen sind sie auf einer grossen Anlage im Therapie–Tiergarten. Bereits seit 30 Jahren setzt die auf Hirnverletzungen und Querschnittlähmungen spezialisierte Klinik erfolgreich auf Hippotherapie – der Physiotherapie auf dem Pferd. Nun ergänzen Esel, Schafe, Ziegen, Katzen, Meerschweinchen sowie Minipigs und Hühner das therapeutische Angebot.

Diese Tiere bringen laut Karin Hediger, Psychologin an der Universität Basel, die unterschiedlichsten Fähigkeiten mit und können so bestens auf die verschiedenen Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten eingehen. Ziel ist es, Tiere in andere Therapiemethoden zu integrieren und so die ganzheitliche Rehabilitation zu unterstützen.

In der Pädagogik werden Hunde schon länger eingesetzt, etwa bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwächen oder mit ADHS. Aber auch in Alters- und Demenzheimen und sogar in Gefängnissen haben sich Tierbesuche bewährt. Um die Wirksamkeit der Therapie besser zu überprüfen, wurde die tiergestützte Therapie am Rehab von Beginn an vom Team um Karin Hediger wissenschaftlich begleitet. Ihre Forschungsgruppe untersucht dabei die Effekte dieser Therapie, aber auch, wie sich die Anwesenheit der Tiere auf die Mitarbeitenden der Klinik auswirkt.

In einer Studie ging Karin Hediger der Frage nach, wie die tiergestützte Therapie die Konzentration und die Aufmerksamkeitsspanne von hirnverletzten Menschen beeinflusst. Sie konnte zeigen, dass sich die Patienten durch die Tiere konzentrierter und wachsamer fühlen. Die höhere Konzentrationsfähigkeit lässt sich so erklären, dass die Tiere die Neugier und Motivation der Patienten anregen. Die Präsenz der Tiere lenkte zwar auch ab, die Aufmerksamkeitsspanne der Hirnverletzten blieb aber gleich lang.

Manchmal fungieren die Tiere aber auch als Brückenbauer für nur schwer zugängliche Menschen. Durch den Kontakt zu den Tieren können erste Hemmschwellen abgebaut werden und die Patienten sind motiviert, wenn sie sich um ein anderes Lebewesen kümmern können.

Die Arbeit mit Tieren in der Rehabilitation darf laut Hediger aber nicht als Allheilmittel gesehen werden. Vielmehr unterstützt ihr Einsatz andere Therapieformen. Bewegungen des Arms lassen sich zum Beispiel aktivieren, indem der Patient Gemüse raffelt und es einem Huhn verfüttert. Oder die Koordination kann trainiert werden, indem man einen Parcours mit einem Minipig absolviert. Gleichzeitig können die Patienten so auch ihre Frustrationstoleranz erhöhen. Denn manchmal will auch das Schwein nicht so, wie man es gerne hätte.

Der Einsatz der tiergestützten Therapie birgt aber auch viele Herausforderungen. Die Therapie muss sich dabei so gestalten, dass sie für Mensch und Tier stimmt. Hat ein Tier einmal keine Lust zu arbeiten, muss es auch nicht. Mag ein Patient keine Tiere oder reagiert allergisch, ist die Anwendung auch nicht sinnvoll.

Um eine gute Zusammenarbeit zwischen Tier, Patient, Tierpflegenden und Therapiepersonal zu gewährleisten, braucht es also solide Kenntnisse. Dies ist auch Karin Hediger ein besonderes Anliegen: «Man muss eine fundierte Ausbildung haben, um als Therapeut eine tiergestützte Therapie korrekt durchführen zu können. Sonst leidet entweder das Tier oder der Mensch.» Für die Sicherung der Berufsqualität wird daher seit diesem Jahr der Weiterbildungsstudiengang «Certificate of Advanced Studies (CAS) in tiergestützter Therapie» an der Universität Basel angeboten, in Österreich gibt es ähnliche Zusatzausbildungen. Dort lernen die Teilnehmenden mehr über die Beziehung von Mensch und Tier und über verschiedene therapeutische Einsatzmöglichkeiten.

Aber nicht nur die Patienten profitieren von der Arbeit mit den Tieren. Laut einer Umfrage, die Hediger und ihre Fachgruppe durchgeführt haben, waren bereits vor der Einführung viele Klinikmitarbeitende der tiergestützten Therapie sehr positiv gegenüber eingestellt. Einige äusserten zwar Zweifel an der Hygiene und an der Sicherheit der Patienten. Doch eine Befragung nach zwei Jahren Betrieb hat gezeigt, dass auch diese Bedenken fast ganz verschwunden sind.

Viele der Mitarbeitenden des Rehab nutzen den Therapiegarten auch selbst. Sie verbringen ihre Pausen im Garten und tanken umgeben von den Tieren neue Energie. So belegen auch Studien, dass die Anwesenheit von Tieren die Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigert und gerade in Gesundheitsberufen sogar Burnouts verhindern kann. Wird die tiergestützte Therapie also richtig ausgeführt, ist sie für alle Beteiligten ein voller Erfolg.

Auch den Bewohnern des Therapie-Tiergartens geht es gut. Dafür sorgt ein Team von Tierpflegern, das sich während 365 Tagen im Jahr um sie kümmert. Sie versorgen die Tiere, trainieren mit ihnen und stellen sicher, dass sie genügend Ausgleich haben. Doch was passiert, wenn ein Tier reif für seine Pensionierung ist? «Die Tiere haben das Recht, ihr Leben lang bei uns zu bleiben, bis es nicht mehr geht», meint Hediger. So auch ein Islandwallach, der jetzt pensioniert wird. Die Patienten können ihn aber weiterhin putzen und mit ihm spazieren gehen – vorausgesetzt er hat Lust dazu. Nur geritten wird er nicht mehr und er darf seinen Ruhestand in vollen Zügen geniessen.

Allgemein kommen nur domestizierte Tiere in der tiergestützten Therapie zum Einsatz. Von der Therapie mit Delfinen etwa hält Hediger, die selbst Meerschweinchen und Chinchillas zuhause hat, nicht viel: «Es ist nicht sinnvoll, Tiere einzusetzen, die man nicht so halten kann, wie es ihnen entspricht». Aber selbst wenn eine Tierart besonders gut geeignet ist, kommt es letztlich immer auf das Individuum an, ob es sich als Therapietier eignet. Da kann es auch mal vorkommen, dass sich neben Hunden und Pferden auch Hühner und Minipigs als tierische Helfer profilieren.

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