Sie geben Schminktipps oder zeigen wie man Computerspiele spielt – Influencer sind die neuen Helden der Jugend. Doch wie sollen Eltern mit dem Phänomen der digitalen Vorbilder umgehen?
Die Stars der Generation Z, also der zwischen 1997 und 2012 Geborenen, sind nicht im Kino, auf der Bühne oder dem Sportplatz zu finden, sondern auf YouTube und Instagram. Dort berichten sie aus ihrem Leben, zeigen selbst produzierte Videos oder tun ihre Meinung zu verschiedensten Themen kund.
Und dies mit großen Erfolg: Bekannte Influencer wie die Deutsche Bianca Claßen (BibisBeautyPalace) erreichen über YouTube mehr als fünf Millionen Menschen. Der erfolgreichste österreichische Influencer etwa ist Chaosflo44. Der Anfang Zwanzigjährige filmt sich selbst beim Spielen des beliebten Computerspiels „Minecraft“ und kommentiert seine Spielzüge – und eine Million YouTube-Abonnenten sehen ihm regelmäßig dabei zu. Dabei werden die digitalen Meinungsbildner immer wichtiger: Eine Studie des Digitalverbands Bitkom belegt, dass Influencer bei Kindern und Jugendlichen mittlerweile beliebter sind als Schauspieler und Sportler: Für mehr als ein Drittel aller Zehn- bis 18-Jährigen (36 Prozent) ist der Lieblingsstar nicht mehr ein Fußballer oder Leinwandheld, sondern ein YouTuber. Laut der Studie ist einer der wichtigsten Gründe für den Influencer-Hype, dass die meisten Kinder und Jugendlichen heute ein Smartphone besitzen und über diverse Social-Media-Kanäle nahezu permanent ihren Stars folgen können, die mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren, indem sie aus ihrem Alltag berichten.

Ob Sisi, Elvis Presley oder Nena – Influencer hat es immer gegeben. Das ist normal, denn ab einem gewissen Alter suchen sich Jugendliche Vorbilder.
Mag. Christa Schirl, Psychologin und Psychotherapeutin, https://christa-schirl.at/
Trend Influencer-Marketing
Das Video etwa, in dem Bianca Claßen kürzlich ihre zweite Schwangerschaft kundtat, klickten innerhalb von nur 24 Stunden 2,5 Millionen Menschen. Viele der Social-Media-Protagonisten werben längst für Produkte aller Art – von Kosmetik bis hin zu Kleidung. Und Unternehmen sind bereit, viel Geld für einen einzigen Post zu bezahlen, in dem ihr Produkt vorkommt. Gerade dieses so genannte Influencer-Marketing ist für viele Eltern ein Problem. Psychologin Christa Schirl betont jedoch, dass es normal ist, dass sich Jugendliche Vorbilder suchen, an denen sie sich orientieren – und dass es dazugehört, dass es dabei auch Konflikte, etwa in Sachen Influencer, mit den Eltern gibt. Schirl: „In der Pubertät spielen Themen wie Identifikation und Identität eine große Rolle, da gehört es dazu, dass Jugendliche in das Gegenteil der Eltern kippen. Denn um sich finden zu können, muss es auch Reibungspunkte geben. Ich habe als Teenager in den 80er-Jahren meine Großmutter damit geschreckt, dass ich Jeans zerschnitten haben, damit sie dem Zeitgeist entsprechen. Heute tragen fünfzigjährige Frauen auch solche Jeans – und es ist ganz normal.“

Greta Superstar
Wichtig ist laut Christa Schirl, dass man schon kleinen Kindern einen kritischen Umgang mit Konsum vermittelt und dass Shoppen kein Freizeitverhalten darstellt. Sie betont dabei, dass auch Eltern ihren eigenen Medienkonsum überprüfen müssen, zum Beispiel, „wie oft sie am Tag aufs Smartphone schauen und was sie eigentlich alles konsumieren. Denn es gilt: Man kann Kindern nichts vormachen, sie machen einem ja doch alles nach“. Dass Influencer durchaus auch große sozialpolitische Relevanz haben können, belegt der Fall von Greta Thunberg. Ist doch auch die bekannteste Klimaaktivistin der Welt zu guter Letzt eine Influencerin – eine mit aktuell 8,1 Millionen Instagram-Followern.


