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Home » Renaissance von Masern & Co.: Warum Impfen „in“ sein muss
Gesund bleiben

Renaissance von Masern & Co.: Warum Impfen „in“ sein muss

Christian NeuholdVon Christian NeuholdJänner 3, 2019Aktualisiert:März 6, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Der Österreichische Impftag 2019 am 19. 1. im Austria Center Vienna steht unter dem Motto „Impfprävention – Von Jung bis Alt“.

„Jedes Alter braucht seine Impfung, von der Phase als Neugeborenes über die Kindheit und Jugend, bis hin zur Schwangerschaft und zum hohen Alter.“ Das betont Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien und wissenschaftliche Leiterin des Österreichischen Impftags 2019 – dieser steht dementsprechend unter dem Motto „Impfprävention – Von Jung bis Alt.“ Und angesichts der unerwünschten Renaissance von schweren Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten (Pertussis) oder Diphtherie, aber auch den vielen mit Influenza assoziierten Todesfällen, forderten die ExpertInnen von MedUni Wien, Österreichischer Ärztekammer und Österreichischer Apothekerkammer , dass Impfen wieder „in“ sein muss und mangelhafter Impfschutz als gesellschaftliches Problem betrachtet wird.

Um das zu erreichen, sei es dringend notwendig, dem „negativen Impfpopulismus“ die richtigen und wirksamen Kommunikationsstrategien entgegenzusetzen, sagte Wiedermann-Schmidt: „Denn nur wenn wir Ärzte und alle im Gesundheitswesen Tätigen ausreichend Wissen über das Impfen und die richtigen Kommunikationswege haben, kommt die Botschaft auch tatsächlich an. Daher haben wir das Immunsystem ins Zentrum des Plenarvortrags gestellt um zu erinnern, warum bestimmte Erkrankungen in gewissen Altersgruppen besonders gefährlich sind und warum Impfungen in allen Altersgruppen wichtig sind.“

„Nur mit einem entsprechenden Grundverständnis können wir erreichen, dass jede/r Einzelne auch die Verantwortung für das Ganze übernimmt, um so Erkrankungen und Todesraten durch Infektionskrankheiten verhindern und verringern zu können“, ergänzt sie. Allein im ersten Halbjahr 2018 gab es laut Welt-Gesundheitsorganisation WHO in Europa mehr als 41.000 Masernfälle mit 37 Todesopfern. „Jedes dieser Opfer wäre mit einer Impfung zu verhindern gewesen.“ Viele Menschen würden etwa Masern als „Kinderkrankheit“ fehlinterpretieren und daher als etwas „Leichtes“ abtun oder generell das Impfen aus Unwissenheit als „unnatürlich“ ablehnen.

Wissensvermittlung über Impfungen muss in der Kindheit mit der „richtigen Sprache“ erfolgen, betont die Expertin. „Der Vortrag, ‚Echt cool: cruisen, chillen, impfen‘, beschäftigt sich daher nicht nur mit den Impfungen, die im Jugendlichenalter wichtig sind, sondern auch damit, wie wir diese Altersgruppe durch die richtige Sprache und Bilder erreichen und ins Boot holen können.“

Ein erster Schritt, so Wiedermann-Schmidt, müsse die Impfverpflichtung für alle Menschen sein, die in Gesundheits- und Sozialberufen arbeiten: „2017 betrafen Masernerkrankungen nahezu 20 Prozent des Gesundheitspersonals in Österreich – ein unhaltbarer Zustand.“ Abgesehen vom Eigenschutz und Schutz des Patienten bzw. der Patientin müssten ÄrztInnen, Pflegepersonal sowie ApothekerInnen als starkes Vorbild vorangehen, um die Bevölkerung zu motivieren, sich auch impfen zu lassen. Nur der Individualschutz führt auch zum Kollektivschutz.  Wiedermann-Schmidt: „Doch leider stellen wir fest, dass der Zeitgeist ‚Egoismus‘ heißt – auch beim Impfen. Jede/r schaut nur auf sich, als wäre er oder sie nicht Teil eines sozialen Gefüges. Aber nur, wer sich selbst schützt und impfen lässt, schützt auch alle anderen Menschen im persönlichen Umfeld und verhindert so Impflücken. Das versteht man unter sozialer Eigenverantwortung, die für jeden selbstverständlich sein sollte.“

Die Masernproblematik ist zweifellos dramatisch, darf aber nicht von anderen durch Impfung verhinderbaren Erkrankungen ablenken, sagte der Leiter des Impfreferats der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Rudolf Schmitzberger. So habe sich etwa die Zahl der Keuchhusten-Fälle von 2015 auf 2017 mehr als verdoppelt. „Die Krankheit breitet sich fast so rasant wie Masern aus. Die Symptome bei Kindern und Erwachsenen werden oft erst spät richtig interpretiert. Ein ausreichender Impfschutz ist daher speziell für sensible Personengruppen wie Schwangere besonders wichtig.“

Zwei Drittel der Zwei- bis Dreijährigen trügen auch Pneumokokken-Keime unbemerkt in sich und würden so zur potenziellen Lebensgefahr für ihr Umfeld. „Gegen Pneumokokken gibt es mittlerweile einen breiter wirksamen 13-fach-Impfstoff, den bereits mehr als 100 Länder übernommen haben. Auch unser Gratis-Kinderimpfprogramm sollte vom jetzigen 10-fach- Impfstoff auf diesen Impfstoff umsteigen“, fordert Schmitzberger. Influenza werde ebenfalls großteils von Kindern übertragen, die Impfung müsste daher dringend ins Impfprogramm aufgenommen werden. „Kleine schützen Große: Sind die Enkel geimpft, sind nicht nur sie selbst, sondern auch die Eltern und Großeltern vor Erkrankungen geschützt“, so sein Fazit.

„Der österreichischen Apothekerschaft kommt beim Thema Impfen eine besonders wichtige Rolle zu: jene der Beratung im Sinne der Prävention. Mit mehr als 400.000 PatientInnen- und Kundenkontakten pro Tag sind die heimischen Apotheken die ersten Anlaufstellen für die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Daraus ergibt sich für die Apothekerinnen und Apotheker zum einen eine immense Verantwortung, zum anderen die große Chance, auf das Gesundheitsbewusstsein der Menschen positiv Einfluss zu nehmen. Das gilt besonders beim Impfen, einem Thema, das sehr kontrovers diskutiert wird und bei dem in der Öffentlichkeit als Folge von Informationsdefiziten eine große Unsicherheit herrscht“, betont Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer. Im Übrigen sei der Auftrag an die Apothekerschaft, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung nachhaltig zu stärken, auch im aktuellen Regierungsprogramm formuliert, ergänzt Kobinger.

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