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Home » Psychosomatik hilft chronisch kranken Kindern
Gesund bleiben

Psychosomatik hilft chronisch kranken Kindern

adminVon adminJänner 31, 2018Aktualisiert:März 7, 20264 Minuten Lesezeit
© Pixabay
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Kinder, die an chronischen Erkrankungen leiden, haben meist auch psychische Probleme.

Kinder, die an chronischen Erkrankungen leiden wie etwa Überzuckerung, Krebs, Stoffwechselstörungen, chronische Darmentzündungen, Krampfanfälle, aber auch seltene Formen wie Mukoviszidose, haben meist auch psychische Probleme, die neben der eigentlichen Erkrankung leicht übersehen werden. Unerkannt führen diese aber zu ernsten sozialen Schwierigkeiten – vom Ausschluss bei sozialen Aktivitäten in der Gruppe oder Schule bis hin zu Isolation, Aggression, Depression, Rauswurf aus der Schule und damit einhergehendem Verlust von Zukunftschancen und -hoffnungen. Viele von diesen Kindern gehen am kommenden Freitag mit einem flauen Gefühl im Magen zur Zeugnisverleihung – dabei könnte ihnen mit psychosomatischen Methoden geholfen werden.

Negativer Kreislauf

„Diese krankheitsbedingten Veränderungen im Kindesalter stellen nicht nur das Kind und die Familie vor große Herausforderungen, sie verändern das gesamte Alltagsleben“, betont Susanne Greber-Platzer, Leiterin der Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde. Für betroffene Kinder können ganz alltägliche Tätigkeiten wie Essen, Ankleiden, Körperpflege, usw. auf Grund ihrer Erkrankung zur Qual werden. „Viele müssen eine strenge Diät halten, Broteinheiten berechnen, Medikamente einnehmen, beim Waschen und Anziehen auf liegende Gefäßzugänge, einen künstlichen Darmausgang oder Dialysekatheter achten. Traumatisierend wirkt auch ein Haarverlust unter Chemotherapie. Weitere zeitraubende und unangenehme Therapien umfassen intensive Hautpflege, Inhalationen und therapeutische Behandlungen. Besonders schwer verständlich sind sportliche Einschränkungen und das Verbot an Schulausflügen teilzunehmen“, fasst Greber-Platzer zusammen.

Tägliche Herausforderungen, die es den Kindern schwer machen, im Alltag mitzuhalten, die Schule regelmäßig zu besuchen, Freunde zu finden und in der Freizeit gute Leistungen zu erbringen, etwa im Sport oder bei künstlerischen Tätigkeiten. Greber-Platzer: „Das ist mit medizinischen Einschränkungen kaum möglich, die Folge ist der Verlust des Freundeskreises. Isolation und soziale Ausgrenzung werden zur Realität.“

Ein negativer Kreislauf kommt in Gang: Die Familie verzweifelt, die Kinder versagen in der Schule, beim Sport, beim Hobby, bei den Freunden. Greber-Platzer: „Die Schule kann nicht auf alle Rücksicht nehmen, der Lehrstoff muss eingehalten werden. Der Sport braucht leistungsstarke Kinder. Die Freunde versuchen, die Betroffenen zunächst einzubinden, irgendwann können diese aber das Tempo nicht mehr mithalten. Es kommt in jedem Bereich  zum begründeten Versagen, zum Verlust des Selbstwertgefühls bis hin zu Verhaltensauffälligkeiten oder Depressionen.“ Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen haben zum Beispiel ein zwei- bis dreimal höheres Risiko an einer Depression bzw. einer anderen psychischen Störung zu erkranken, jedes Zehnte dieser Kinder leidet an somatischen Beschwerden, hat also Kopf- oder Bauchschmerzen oder leidet an Schwindel und Erschöpfung.

Es geht um die Zukunft der Kinder

Hilfestellung bietet die Pädiatrische Psychosomatik an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien: „Unsere Arbeit gründet sich  auf einer ganzheitlichen Sicht des Kindes, seiner Familie und seines Umfeldes, sie orientiert sich an der Entwicklung des Kindes, seinen familiären und außerfamiliären Beziehungen, sie beachtet gleichzeitig die Entstehungsbedingungen von Krankheit und Gesundheit, sie arbeitet präventiv, multiprofessionell und interdisziplinär und fühlt sich der Konvention über die Rechte des Kindes verpflichtet“, erklären die MedUni Wien-Expertinnen für Pädiatrische Psychosomatik, Claudia Klier und Anna Felnhofer. Die Behandlung erfolgt in Kleingruppen mit klaren Bezugspersonen, und bezieht Inhalte aus der Pädagogik, Sozialarbeit, Medizin, Psychologie, Pflege und Heilstättenschule mit ein.

Die konkreten Fälle sind vielfältig: So wurde bei einem begabten, siebenjährigen Buben mit Überzuckerung (Diabetes mellitus Typ 1), der aggressives und ungehorsames Verhalten gegenüber MitschülerInnen und LehrerInnen zeigte, im Rahmen der psychosomatischen Betreuung eine ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung) diagnostiziert. „Dies wurde dann mittels Elterncoaching und psychologisch sowie medikamentös behandelt. Ebenso wird in der Heilstättenschule an der Klinik an seiner Motivation und Lernfreude gearbeitet und er ist nun besser in der Lage für seinen Diabetes zu sorgen, er kann in der Schule am Platz sitzen, gut mitarbeiten und sogar einen Sport ausüben.“

Fall 2: Ein fünfjähriges Mädchen mit einer seltenen Stoffwechselerkrankung (Hyperinsulinismus), das häufig Blutzucker messen und regelmäßig essen muss, weigerte sich ab dem 4. Lebensjahr, zu essen und musste schließlich vollständig über eine Sonde ernährt werden. Zudem besteht bei ihr eine Entwicklungsverzögerung. Da der Kindergarten das komplexe medizinische Management für das Mädchen nicht übernehmen konnte, musste sie wieder zuhause betreut werden. Um die Essproblematik des Mädchens zu verbessern und ein geeignetes Modell für den Kindergarten zu finden, wurde sie auf der Tagesklinischen Station für Psychosomatik aufgenommen. Klier und Felnhofer berichten: „In der Gruppe mit Gleichaltrigen konnte sie  eine entspannte Esssituation erleben und am Modell der anderen Kinder lernen. Ein spielerischer, lustvoller Zugang zum Essen wurde sowohl  in der Gruppe als auch in der Einzelbehandlung gefördert. Ein videogestütztes Coaching führte bei den Eltern zur Reduktion der Ängste rund um das kindliche Essverhalten.“ Mittlerweile absolviert das Mädchen das verpflichtende Kindergartenjahr in einem heilpädagogischen Kindergarten der Stadt Wien. Zur Unterstützung der Kindergärtnerinnen wurde eine mobile Kinderkrankenschwester organisiert.

„Es geht um die Zukunft dieser Kinder“, betont Greber-Platzer. „Wir helfen ihnen, damit sie auch in Zukunft einen sicheren Platz in der Gesellschaft haben.“

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