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Home » Nicht wegwerfen! Reparieren!
Nachhaltigkeit

Nicht wegwerfen! Reparieren!

Sandra LobnigVon Sandra LobnigMai 10, 20206 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Es ist ein umweltbelastender Reflex unserer Wegwerfgesellschaft: Wird etwas kaputt, muss was Neues her. Dabei lohnt sich oft eine Reparatur. Reparaturbetriebe, Initiativen wie Repaircafés oder Videos im Internet unterstützen dabei, die Lebensdauer von Dingen zu verlängern.

Ronald Perwein hat den Fehler schnell gefunden: „Das Trommellager ist defekt. Die wird aber bald wieder funktionieren.“ Die Waschmaschine, an der der 46-Jährige in Arbeitsmontur werkt, ist – so schätzt er – über zehn Jahre alt. Ein teures Modell, aber sein Geld wert. „Teure Produkte sind oft qualitativ hochwertiger und können gut repariert werden. Wenn diese Maschine fertig ist und alle Verschleißteile ausgetauscht sind, wird der Kunde sicher noch zwanzig Jahre damit waschen können, ohne größere Probleme zu haben.“

Perwein, ursprünglich KFZ-Mechaniker, arbeitet seit vier Jahren im Reparatur- und Servicezentrum (R.U.S.Z., www.rusz.at) im 14. Bezirk in Wien. Er kümmert sich dort vor allem um die richtig großen Elektrogeräte wie Waschmaschinen und Geschirrspüler. Er und seine Kollegen reparieren praktisch alles vom defekten Handstaubsauger über Stabmixer und Nähmaschinen bis zum jahrzehntealten Plattenspieler. Während in den Werkstatträumen zerlegt, getüftelt und wieder zusammengebaut wird, liefern Kunden aus Wien und Umgebung ihre kaputten Geräte im Eingangsbereich des R.U.S.Z. ab. Oder kaufen dort Second-Hand-Geräte, die gespendet, von Mitarbeitern des R.U.S.Z. repariert und mit Garantie weiterverkauft werden.

Selber reparieren im Reparaturcafé

Über mangelnde Kundschaft könne sich das Reparaturzentrum nicht beschweren, sagt David Bunyai, der am Empfangstisch die Geräte entgegennimmt. „Seit so viel über das Klima geredet wird, wächst das Bewusstsein der Leute, und wir erleben hier einen größeren Ansturm.“ Vor allem die Repaircafés, die im R.U.S.Z. jeden Donnerstagnachmittag veranstaltet werden, sind sehr beliebt. Kunden bringen ihre defekten Geräte und reparieren unter fachmännischer Anleitung der Mitarbeiter selbst. „Das rennt super“, freut sich Bunyai.

Ein wachsendes Interesse daran, Kaputtes nicht einfach wegzuwerfen, sondern wenn möglich zu reparieren, nimmt auch Markus Piringer von der Umweltberatung wahr. „Vielen Menschen geht es auf die Nerven, dass Dinge nicht lange halten. Dass sie den Stabmixer wegschmeißen sollen, nur weil etwas Kleines abgebrochen ist.“ In den vergangenen Jahren sind deswegen Initiativen wie Reparaturcafés entstanden, sowie Netzwerke in einzelnen Bundesländern und österreichweit, die Betriebe vermitteln, in denen Kaputtes wieder hergestellt wird (siehe Spalten links und rechts).

Angesichts der Klimakrise wird es höchste Zeit, die Gesellschaft reparaturfähig zu machen.

Markus Piringer, Umweltberatung

Anleitungsvideos im Internet

Es ist ein relativ neues Phänomen, sofort etwas Neues zu kaufen, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Markus Piringer schildert: „Bis in die 1960erund 1970er-Jahre hinein war es notwendig, dass ein Autofahrer reparieren konnte. Auch in Kriegszeiten war Reparieren immer hoch im Kurs. Erst als die Not nachgelassen hat und Ressourcen in Unmengen günstig zur Verfügung standen, konnte sich die Wegwerfgesellschaft entwickeln.“ Neue Produkte sind oft nur unwesentlich teurer als eine Reparatur, die noch dazu meistens mit Aufwand verbunden ist. Für viele Konsumenten ist das zu verlockend und sie kaufen neu.

Dass sich heute eine Reparatur finanziell nicht immer auszahlt, sei ein strukturelles Problem, sagt Piringer. „Während Arbeit sehr teuer ist, ist die Produktion billig.“ Er sieht allerdings auch positive Veränderungen am Horizont: „Es wird derzeit diskutiert, Reparaturen zu fördern oder die Mehrwertsteuer auf Reparaturen zu senken.“ Mit der Mär, dass alte Elektrogeräte Energiefresser seien und ein neues Elektrogerät letztlich energieschonender als ein altes, räumt Piringer auf. Studien hätten eindeutig ergeben, dass ein sehr großer Teil des Energie- und Rohstoffverbrauchs bei der Erzeugung aufgewendet wird. Demnach müsste ein Smartphone erst nach 25 Jahren ersetzt werden, bis sich der Energieaufwand der Produktion ausgeglichen hat. Bei Laptops beträgt diese Zeitspanne sogar zwischen 20 und 44 Jahren.

Nicht bloß bei elektronischen Geräten kann sich eine Reparatur auszahlen. Viele Alltagsgegenstände lassen sich mit etwas Geschick sogar selber wieder herstellen: Stumpfe Messer können zu Hause geschliffen, kaputte Möbel geleimt werden, aufgetrennte T-Shirt-Nähte lassen sich schnell flicken.

Wer Fertigkeiten wie Stopfen oder Nähen nicht beherrscht, findet im Internet unzählige Anleitungsvideos dazu. Und lernt, wie Kinderhosen mit durchgewetzten Knien noch zu retten sind oder wie ein Riss in der Softshelljacke wieder verschwindet.

© Shutterstock

Reparierbar? Schon vor dem Kauf nachfragen

Die Frage, ob etwas reparierbar ist, sollte sich nicht erst stellen, wenn es defekt ist. Bereits vor dem Kauf kann man recherchieren: Ist das Gerät überhaupt zu öffnen oder völlig verschweißt? Gibt es bestellbare Ersatzteile? Verkäufer in den Geschäften wissen darauf nicht immer eine Antwort, trotzdem lohne es sich, im Geschäft nachzufragen, um das Thema zu sensibilisieren, findet Piringer. Informationen bieten auch spezielle Ratgeberseiten im Internet. „Es gibt zum Beispiel für Waschmaschinen den Einkaufsratgeber der Umweltberatung, für Geräte wie Smartphones oder Tablets findet man Reparaturindices, die angeben, wie leicht sie zu reparieren sind.“. Um der Wegwerfmentalität Paroli zu bieten, rät Piringer außerdem, Gebrauchsgegenstände stets gut zu warten. „Da kann man bereits im Handling viel tun: Kaffeemaschinen regelmäßig reinigen, Fahrradketten ölen, mit Messern nicht auf Metall schneiden oder das Handy in eine Schutzhülle stecken.“

Ob gut gewartet oder nicht, der Kaffeevollautomat einer Wiener Kundin im R.U.S.Z. liefert keinen genießbaren Kaffee mehr und tropft. Mit der Bitte, den Fehler zu beheben, gibt sie ihn dort ab. Drei ältere Damen aus Niederösterreich bringen indes all die kaputten Elektrogeräte, die sie zu Hause gefunden haben, mit dem Auto: einen defekten Infrarotstrahler, einen nicht mehr funktionierenden Stabmixer, einen kaputten Schlagobersspender, eine Pfeffermühle, die ihren Geist aufgegeben hat und noch einige Geräte mehr. Gemeinsam entladen sie den Kofferraum. Sie waren schon öfter hier, erzählen sie und sind sich einig: „Das kann man doch nicht alles wegwerfen!“

Reparatur Cafés

WIEN:
www.reparaturnetzwerk.at
Das Netzwerk informiert, welcher Betrieb den aktuellen Reparaturwunsch erfüllt. Mit Garantie: Die Reparateure in den Betrieben geben der Reparatur den Vorzug und raten nicht vorschnell zum Kauf eines neuen Produkts. Unterstützung bei der Suche nach der richtigen Stelle gibt die Reparatur-Hotline
01 8033232-22


GRAZ:
www.grazrepariert.at
Ob Handy, Musikinstrumente oder Fahrrad: Auf www.grazrepariert.at findet man Reparaturbetriebe, Termine von Repaircafés und Tipps rund ums Reparieren.

ÖSTERREICHWEIT:
www.reparaturfuehrer.at
Einfach virtuell auf das entsprechende Bundesland klicken und den richtigen Ansprechpartner für Reparaturen finden. Auf der Website finden sich auch Infos zu Wartung und Veranstaltungstermine rund ums Thema in ganz Österreich.

INTERNATIONAL:
www.reparatur-initiativen.de und
https://repaircafe.org
Zwei internationale Seiten zu Vernetzung, Beratung und Austausch rund um Reparaturinitiativen.

www.ifixit.com
Umfassende Website mit Schritt-für-Schritt-Reparaturanleitungen, Reparaturindices, die anzeigen, wie leicht oder schwer Geräte zu reparieren sind und einem Online-Austausch-Forum.

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Sandra Lobnig

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