„Jede Erfahrung ist für das Gehirn einzigartig, egal, wie ähnlich sie einer früheren Erfahrung ist.“ – Das ist das verblüffende Ergebnis einer neuen Studie.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr – wer hat dieses Sprichwort nicht schon einmal gehört? Neue Forschungsergebnisse haben nun widerlegt, dass Fähigkeiten, die in der Kindheit nicht gelernt wurden, zu keinem späteren Zeitpunkt im Leben mehr erlernt werden können.
Jede Erfahrung, die das Gehirn macht, ist einzigartig und wird von den Neuronen im präfrontalen Kortex als „neu“ aufgefasst. Dementsprechend aktiv werden die Nervenzellen, auch wenn die neue Erfahrung einer zuvor gemachten sehr ähnlich ist.
Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie von Forschern der Abteilung für Kognitive Neurobiologie der MedUni Wien, die nun im Top-Journal Nature Communications veröffentlicht wurde.
Studienautor Hufo Malagon-Vina erklärt:
„Jede Erfahrung ist für das Gehirn einzigartig, egal, wie ähnlich sie einer früheren Erfahrung ist. Die Neuronen im präfrontalen Kortex feuern jedes Mal wieder erhöht und werden aktiviert – genauso, als wäre die Erfahrung total neu“.
Gibt es Erinnerungen?
Ja, es gibt Erinnerungen. Aber dadurch, dass das Gehirn jedes Ereignis als neu auffasst, bleibt es flexibel. Genau diese Fähigkeit ist es, dass wir Freude oder Überraschung empfinden können. Das Gehirn ist in der Lage, ein Leben lang Erfahrungen als etwas Neues zu erleben, sofern die Neuronenaktivität nicht beeinträchtigt ist. Unsere Neuronen sind jederzeit bereit bei neuen Erfahrungen zu feuern und als einzigartig zu verarbeiten – bis ins hohe Alter.
