Die Klassenkollegen wohnen in Häusern mit Pool, sind modisch gekleidet und besitzen das neueste Smartphone. Das eigene Kind kann da nicht mithalten und leidet sehr darunter. Wie können Eltern damit umgehen?
Carmen, 14, ist sehr traurig. Jedes Mal, wenn die anderen ins Kino gehen, ist sie nicht dabei. Beim Shoppingnachmittag mit den Mädels geht sie zwar mit, aber kaufen kann sie nichts. Und dann starrt sie mit brennenden Augen in die Auslagen, in denen sie all das sieht, was für sie selbst unerreichbar ist. Florian ist acht Jahre alt. Er wohnt mit den Eltern und zwei Geschwistern in einer kleinen Wohnung. Die Kinder schlafen zusammen in einem Doppelbett, nur durch einen Vorhang vom elterlichen Schlafzimmer getrennt, das gleichzeitig das Wohnzimmer ist. Dadurch hört er den Streit der Eltern, den Fernseher und manche anderen Dinge, die er nicht hören will. Dann versteckt er sich immer unter der Decke.
Susanne, zwölf, lebt mit ihrer Mutter. Ihr Vater hat eine neue Familie und es gibt immer Auseinandersetzungen wegen des Geldes. Das ist kaum vorhanden, und die beiden versuchen, so gut es geht, zurechtzukommen. Ihre Mutter ist depressiv und kann daher oft nicht arbeiten gehen. So kümmerst sich Susanne um den Haushalt oder macht den Einkauf. Sie hat keine Freunde, aber sie würde ohnedies niemanden einladen, weil sie sich für ihr Zuhause geniert. Weihnachten steht vor der Tür und jedes fünfte Kind in Österreich wird unter dem Christbaum keine Spiele, Handys oder Luxuskleidung vorfinden, sondern warme Schuhe, Lernutensilien oder die Teilnahme am Skikurs. Denn die Eltern dieser Kinder haben nicht genug Geld, um besondere Wünsche zu erfüllen.
Wie sieht der Alltag eines Kindes aus, das aufgrund der finanziellen Situation der Eltern „anders ist“?
Kinder aus ärmeren Verhältnissen sind häufiger sozial isoliert, haben eine schlechtere Gesundheit und leben in belasteten Wohnverhältnissen ohne nahen Spielplatz oder Grünflächen. Es gibt kein Geld für Schwimmbad, Kino, sportliche Aktivitäten, Hobbys oder Urlaub. Die Kinder können keine Geschenke kaufen und deswegen nicht an Geburtstagen teilnehmen, und es ist für sie unmöglich, selbst Kinder zum Geburtstag einzuladen. Sie schämen sich überhaupt, Freunde nach Hause mitzubringen, weil es keine Möglichkeit gibt, sie zu bewirten. Außerdem fehlt es oft am eigenen Zimmer, in dem sie mit ihnen spielen könnten.
Wie fühlen sich diese Kinder?
Arme Kinder schämen sich, weil sie spüren, dass sie Außenseiter sind. Doch jedes Kind möchte dazugehören. So weinen manche viel, erzählen Lügengeschichten oder ziehen sich in sich selbst zurück. Andere werden aggressiv oder rutschen eventuell in die Kriminalität ab.
Was können Sie als Eltern tun?
Trösten Sie Ihr Kind, wenn es traurig ist, nehmen Sie es in den Arm und versuchen Sie, so gut es eben möglich ist, einen bestimmten Wunsch doch zu erfüllen. Stärken Sie sein Selbstvertrauen in jeder nur möglichen Weise. Und ermutigen Sie es vor allem, eine gute Ausbildung zu machen. Das ist der beste Weg für das Kind, seiner eigenen Familie später finanziell einmal mehr bieten zu können.

„Mir ist mein altes Handy so peinlich!“
„Ich war nur bei der Oma am Land!“
RAT UND HILFE
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