Immer häufiger sind auch Kinder und Jugendliche von Allergien betroffen, nach Zahlen der RKI-Gesundheitsstudie mittlerweile ein Viertel aller unter 18-Jährigen.
So analysierten Schweizer Wissenschaftler des Universitäts-Kinderspitals Zürich, des Christine-Kühne-Centers for Allergy Research and Education und des Schweizerischen Instituts für Asthmaforschung die Stuhlproben von mehr als 300 einjährigen Kindern. Die Forscher stellten dabei zum einen fest: Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren und der Ernährung des Kindes.
Zum anderen fanden die eidgenössischen Forscher heraus: Kinder mit den höchsten Propionat- und Butyratwerten – den Salzen der kurzkettigen Fettsäuren Propionsäure und Buttersäure – haben ein deutlich geringeres Allergierisiko (atopische Sensibilisierung) und erkranken deutlich weniger wahrscheinlich zwischen drei und sechs Jahren an Asthma. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Strategien zur Erhöhung des Spiegels an kurzkettigen Fettsäuren eine neue ernährungsbasierte Präventionsoption für allergische Erkrankungen bei Kindern sein könnten“, schreiben die Schweizer Wissenschaftler in ihrer Studie, die jetzt im Fachjournal „Allergy“ veröffentlicht wurde.
Je höher die mikrobielle Vielfalt, so legen die Ergebnisse zahlreicher Studien nahe, desto geringer ist offenbar das Risiko für allergische Erkrankungen, schreibt der Allergieinformationsdienst. Wie lässt sich das erklären? Mehrere Studien, unter anderem an der australischen Universität in Melbourne, haben ans Licht gebracht, dass es zwischen dem Mikrobiom im Darm – der Zusammensetzung und Menge der Bakterienstämme – und dem Immunsystem einen direkten Zusammenhang gibt.
Der Schlüssel beim Ausbalancieren des Immunsystems und damit auch beim Schutz gegen Allergien scheint die Fähigkeit der kurzkettigen Fettsäuren zu sein, die Darmflora gezielt positiv zu verändern und eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien zu korrigieren.
Kurzkettige Fettsäuren regen im Körper die Produktion sogenannter regulatorischer T-Zellen an. Diese spielen bei der Immunantwort auf Allergene neuesten Forschungen zufolge eine entscheidende Rolle. Bei Allergien bringt der Körper das Immunsystem fälschlicherweise in Stellung. Die regulatorischen T-Zellen tragen „zur Aufrechterhaltung der Toleranz unseres Immunsystems gegenüber der Darmflora und damit zur bakteriellen Vielfalt im Darm bei“, vermuten Forscher des Zentrums „Allergie und Umwelt“ an der Technischen Universität und am Helmholtz Zentrum München.
„Kurzkettige Fettsäuren stabilisieren die sogenannten regulatorischen T-Zellen. Letztere „beruhigen“ gewissermaßen die entzündlichen T-Zellen“ sagt auch Professor Renz. „Kurzkettige Fettsäuren scheinen nach neuesten Erkenntnissen vor Asthma zu schützen, weil ihnen bei der Entzündungshemmung eine Schlüsselrolle zugesprochen werden kann“, so die Forscher des Helmholtz-Zentrums in München.
