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Home » Interview: „Jedes fünfte Kind hat Suizidgedanken“
Gesund bleiben

Interview: „Jedes fünfte Kind hat Suizidgedanken“

Nestor KapustaVon Nestor KapustaApril 29, 2018Aktualisiert:März 7, 20263 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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familiii im Interview mit Assoc. Prof. Priv.- Doz. Dr. Nestor Kapusta, Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, über Auslöser von Depressionen bei Kindern, wie sie erkannt werden und wie Erwachsene diese Hilferufe wahrnehmen können.

Was kann der Auslöser dafür sein, dass Kinder und Jugendliche Depressionen entwickeln?
Das können Verlusterlebnisse sein, wie zum Beispiel Trennungen oder der Tod einer Bezugsperson, Spannungen zwischen den Eltern wie ständiger Streit, Mobbing in der Schule, eine lieblose Atmosphäre in der Familie, keine Unterstützung seitens der Eltern und manchmal auch genetische Faktoren. Diese sollten aber nicht überbewertet werden. Auch Liebeskummer kann schon in so jungen Jahren dazu führen, dass Depressionen auftreten.

Wie können diese Depressionen erkannt werden?
Manche Kinder leiden an gedrückter Stimmung, ziehen sich zurück, lachen nicht mehr, leben in einer Fantasiewelt oder beginnen zu stottern. Andere entwickeln körperliche Symptome, die bei einer ärztlichen Untersuchung allerdings keinen Befund ergeben. Dazu zählen Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfweh, wieder Einnässen oder jedes andere Symptom, das von der Psyche auf den Körper wirkt. Wieder andere verletzen sich durch Ritzen, Beißen, brennende Zigaretten oder indem sie den Kopf gegen die Wand schlagen.

Wie können Erwachsene solche Hilferufe erkennen?
Kinder und Jugendliche sprechen sehr selten direkt über ihr Leid. Stattdessen zeigen sie Symptome wie Aufsässigkeit, Interessenlosigkeit, Antriebsminderung oder eben körperliche Symptome. Das wird von der Umgebung oft falsch gedeutet. Daher ist es wichtig, aufzuklären. Aber das Thema ist leider ein großes Tabu. Eltern sollten sensibel auf Verhaltensänderungen der Kinder reagieren und versuchen, sie zu verstehen.

Was können Eltern dann tun?
Es sollten Behandlungsschritte eingeleitet und die Betroffenen zu Kinder- und Jugendtherapeuten überwiesen werden. Leider gibt es hier zu wenig Angebote, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Untersuchungen zeigen, dass Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen die zweithäufigste Todesursache nach Unfällen ist.

Wie kann es dazu kommen?
Wenn zu einer depressiven Stimmungslage noch eine sehr instabile Persönlichkeit kommt und eventuelle „Hilferufe“ nicht erkannt wurden. In Untersuchungen findet sich auch die bemerkenswerte Information, dass jeder fünfte Jugendliche mehr oder weniger ausgeprägte Suizidgedanken hat. Kinder unter zehn Jahren haben diese Gedanken mitunter auch, setzen sie aber selten in die Tat um. Dabei ist die Dunkelziffer an Suizidversuchen hoch. Nach einem OECD-Bericht liegt Österreich an sechster Stelle weltweit bei den Selbsttötungen Jugendlicher. Grundsätzlich kommt es bei Mädchen zu mehr Suizidversuchen, Burschen sterben hingegen häufiger daran.

Sie sind im Expertenbeirat der Österreichischen Gesellschaft für Suizidprävention. Was geschieht dort?
Wir arbeiten seit 2012 an der Suizidprävention Austria, genannt SUPRA. Prävention bei Jugendlichen ist am ehesten über Schulen zu bewerkstelligen. Studien belegen nämlich, dass im Krisenfall die erste Anlaufstelle andere Mitschüler sind und nicht unbedingt Eltern oder Profis. Wenn diese dann zum Beispiel wissen, wie man Freunden helfen kann, wäre ein großer Schritt getan. SUPRA soll helfen, dass Kinder mit erhöhtem Suizidrisiko schneller erkannt werden, Ansprechpartner für ihre Probleme finden und so eine vorbeugende Behandlung rechtzeitig eingeleitet werden kann.

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Nestor Kapusta

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