„Besinnen Sie sich auf die Wichtigkeit der Füße!“ – familiii im Gespräch mit Peter Schleifer, Podologe in Wien.
Was ist Podologie?
Podologie ist eine Methode zur Erkennung und Korrektur von Fußfehlstellungen und der daraus folgenden Gelenksund Haltungsprobleme. Wir arbeiten mit speziell angepassten Therapiesohlen, die dann in die Schuhe eingelegt werden. Kleine sensorische Reize stimulieren die Fußmuskulatur und korrigieren die gesamte Körperstatik vom Fuß bis zur Halswirbelsäule. So werden der Stützapparat gestärkt und die Bewegungsabläufe optimiert. Den meisten Menschen ist der Zusammenhang zwischen nicht passenden Schuhen und Erkrankungen des Bewegungsapparates nicht klar. Wenn Füße sprechen könnten, würden sie wohl klagen: „Grausamste Arbeitsbedingungen! Acht Stunden eingesperrt bei mieser Luft!“
Bei welchen Beschwerden kann ein podologischer Schuh helfen?
Bei Hallux vagus, Fersensporn, Ristschmerzen, Schmerzen in Knie, Hüfte, Sprunggelenk, Lendenwirbelsäule, Ilio Sacralgelenk, Brust – und Halswirbelsäule und in der Schulter. Der Fuß ist das Fundament des Körpers. Wir untersuchen auch, ob zum Beispiel ein Beckenschiefstand von den Füßen kommt, vom Kiefer oder von den Augen. Gegebenenfalls empfehlen wir dann einen Spezialisten anderer Fachrichtungen. Tatsache ist: Disbalancen von Millimetern bei den Füßen bewirken ein Ungleichgewicht von Zentimetern beim Becken. Mit einem podologischen Schuh korrigieren wir diese Fehlinformationen. Allerdings bewirkt die Podologie keine Wunder. Der Mensch muss auch selbst etwas zu seiner Heilung tun – mit Gymnastik und Entspannungsübungen.
Sollten Eltern auch mit Kindern zum Podologen gehen?
Für Kinder ist es bereits im Lauflernalter wichtig, dass der Schuh Halt bietet, aber gleichzeitig genug Freiraum lässt. Studien zeigen, dass 50 Prozent der Kinder zwischen 7 und 14 an Rückenbeschwerde leiden. Bei den Acht- bis 18-Jährigen sind es sogar 61. Einer der Gründe sind viel zu kleine Schuhe schon von Kleinkindertagen an. Die Füße der Kleinsten sind hoch empfindlich, aber sie selbst spüren das nicht. So werden ihre Füße sehr schnell durch unpassende Schuhe gestaucht, und damit verändert sich die ganze Wirbelsäule. Am besten ist es natürlich, durch den richtigen Schuh von Anfang an vorzubeugen. Mit Kindern zur podologischen Untersuchung zu gehen, wird eines Tages so selbstverständlich sein wie eine regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt. Und Eltern sollten bereit sein, jedes halbe Jahr die Schuhe ihres Kindes zu tauschen, sonst deformiert sich der Fuß.
Schuhe können gesund und modisch sein.
Peter Schleifer, www.der-schleifer.at
Warum sind podologische Schuhe gerade für Mütter wichtig?
Mütter sind in der Regel viel auf den Beinen. Umso mehr müssen Schuh und Fuß eine perfekte Einheit bilden. Eine Frau sollte bereits in der Schwangerschaft einen podologischen Schuh tragen, denn das erhält den Körper stabil. Wir sagen immer: „Der Schuh ist so ausgerichtet, wie der Fuß sein sollte.“
Müssen Frauen dann auf ihre geliebten High Heels verzichten?
Natürlich nicht. Wer im Alltag gesunde Schuhe trägt, kann abends Heels tragen.
Können podologische Schuhe auch modisch sein?
Selbstverständlich. Sie sind modisch und anatomisch richtig. Wir arbeiten mit kleinen Manufakturen in der Schweiz, Italien Portugal und auch in Österreich.
Wann ist mit einer Besserung von Beschwerden zu rechnen?
Nach drei Monaten müssten die Schmerzen geringer sein, nach zwei Jahren sind sie meist weg. Allerdings sollten regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden.
Für welches Alter sind podologische Schuhe geeignet?
Für Menschen aller Altersstufen, denn jeder Fuß ist formbar. Unser ältester Kunde ist 105. Das Einzige, was es braucht, ist die Bereitschaft, etwas zu verändern. Dann steigt die Lebensqualität.
