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Home » Digital Detox: Freundschaft oder Handy?
Medien

Digital Detox: Freundschaft oder Handy?

adminVon adminJuli 30, 20195 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Am 30. Juli ist der „Tag der Freundschaft“. Höchste Zeit für Digital Detox. Raus aus dem Netz und rein ins Leben, denn Freundschaft ist gesund.

Welchem Freund blicken Sie täglich 80 Mal in die Augen? Mit wem verbringen Sie Tag für Tag drei Stunden? Es ist Ihr Handy. Am Dienstag ist der Tag der Freundschaft. Zeit um darüber nachzudenken, wer unser bester Freund ist, und ob das Handy ihm nicht schon längst den Rang abgelaufen hat. Hatte man in den Anfangsjahren des Handys nur die Wahl zwischen Telefon und SMS, um miteinander zu kommunizieren, stehen mittlerweile eine Vielzahl von Kanälen zur Verfügung, die oft sogar mittels Pushnachrichten um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Dabei verursachten das permanente Blinken oder Klingeln des Gerätes eine Ausschüttung von Stresshormonen im Körper. „Immer mehr digitale Erlebnisse in kurzer Zeit und rund um die Uhr führen jeden Menschen, egal welcher Alters- und Berufsgruppe, in ein Stressoren-Feld, sodass sich Wohlbefinden und kognitive Fähigkeiten verändern“, erklärt UNIQA Mediziner Dr. Peter Kritscher.

Digital Detox
© MindTake – Durchschnittlich nutzen die Österreicherinnen und Österreicher ihr Smartphone drei Stunden täglich.

Die Marktforschungsfirma MindTake hat in einer repräsentativen Umfrage 2018 erhoben, dass Herr und Frau Österreicher ihr Smartphone täglich schon mehr als drei Stunden benutzen. Das ist natürlich nur zu schaffen, wenn man jede freie Minute zum mobilen Device greift und es entsperrt. Studien in Deutschland haben ergeben, dass wir rund 80 Mal am Tag unser Handy entsperren. Wie viel Zeit widmen wir hingegen unseren analogen Freunden? Denen aus Fleisch und Blut?

„Es klingt traurig, aber wir brauchen einen Menschen und beschäftigen uns mit einer Maschine“, weiß der UNIQA Mediziner Kritscher. „Im schlimmsten Fall kann das sogar zur Internetsucht führen. Burschen, die von Spielen nicht mehr loskommen, Mädchen, die in sozialen Netzwerken Bestätigung suchen. Früher beschränkte sich die Internetsucht auf Halbwüchsige, die nächtelang am Computer spielten. Mit den Smartphones breiten sich die Symptome in der ganzen Gesellschaft aus.“

Der Tag der Freundschaft soll uns wieder einmal daran erinnern, den digitalen Freund zur Seite zu legen und den lebendigen Freund zu treffen. Denn eine Freundschaft ist mehr als sich einmal im Jahr zum Geburtstag ein SMS mit mehr Emojis als Buchstaben zu schicken.

Tatsächlich stehen Zuwendung und Nähe, Geborgenheit und Vertrautheit auf der Wunschliste des „Kuscheltiers Mensch“ ganz weit oben. Und viele Studien belegen: Für unsere soziale Gesundheit brauchen wir stabile, positive Kontakte. Wir wollen uns anderen nah fühlen. Wir brauchen Menschen, die uns mögen, auch wenn wir schlecht drauf sind. Die durch dick und dünn mit uns gehen. Allerdings kommen angesichts der vielen (oberflächlichen) virtuellen Kontakte stabile Freundschaften zunehmend zu kurz.

Ganz besonders brauchen wir Freunde in Krisen- und Umbruchzeiten. Sie sind der sprichwörtliche Fels in der Brandung, wenn eine Liebesbeziehung endet, es am Arbeitsplatz kriselt oder die Kinder ausziehen. Wirklich gute Freunde sind auch nicht immer unserer Meinung und konfrontieren uns unbequemerweise auch mit jenen Seiten, die wir weniger an uns mögen. Das sorgt dafür, dass wir flexibel bleiben und uns weiterentwickeln. Untersuchungen zufolge helfen gute soziale Kontakte sogar dabei, einer Demenz vorzubeugen.

Damit eine Freundschaft bestehen bleibt und sich weiter vertieft, müssen die Freunde sich hin und wieder treffen. Echte Freundschaften funktionieren nicht ohne körperliche Interaktion – mit einer Berührung stärken wir die Bindung. Ausschließlich virtuelle Kontakte hingegen münden früher oder später in der Isolation. 1000 Likes auf Facebook ersetzen nicht das aufmunternde Schulterklopfen oder eine mitfühlende Umarmung – wir wollen uns Freunden auch körperlich nah fühlen.

Auch die Wissenschaft hat schon herausgefunden, wie wohltuend freundschaftliche Berührungen sind: Schon die warme Hand auf der Schulter reduziert die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol und fördert die Ausschüttung der „Bindungshormone“ Prolaktin und Oxytocin. Das löst eine Kaskade angenehmer Veränderungen aus: Der Herzschlag verlangsamt sich, Muskeln entspannen sich und die Gefäße werden weiter.

Es ist also höchste Zeit, das eigene Leben wieder zu leben statt es nur zu inszenieren oder durch den Filter des Internets wahrzunehmen. „Offline ist kein Luxus – es ist unser Geburtsrecht!“, sagt Peter Kritscher. So wie das Automobil derzeit einen Bedeutungswandel vom Statussymbol retour zum Transportmittel macht, wird es auch für das Handy Zeit, vom dominierenden Zeitfresser wieder zurück zum nützlichen Helfer im Alltag zu mutieren.

Digital Detox heißt das Zauberwort der Stunde. Es werden sogar bereits DD Camps angeboten, in denen den Teilnehmern während ihres Aufenthaltes die elektronischen Geräte abgenommen werden, oder DD Hotels, in denen es von Natur aus keinen Netzempfang gibt. Viel entscheidender als solch handyfreie Urlaubssituationen ist jedoch ein Alltag, in dem man selbst wieder lernt, das Leben mit allen Sinnen wahrzunehmen und den eigenen Lebensrhythmus nicht vom Tyrannen in der Hosentasche diktieren zu lassen.

Peter Kritscher rät: „Um aus dem Dauerstress rauszukommen, den Onlinepräsenz verursacht, ist Sport ein sehr gutes Mittel, das die Kopfschmerzhäufigkeit verringert, die Schlafqualität verbessert und emotionalen Stress reduziert. Systematisches Training, Sport in der Natur sowie achtsame und langsame Bewegungsformen wie Yoga, Tai-Chi, Qigong oder Feldenkrais gelten generell für alle Altersgruppen als sinnvolle Werkzeuge zur Entschleunigung.“

Zusätzlich braucht es jedoch handyfreie (Zeit)Zonen. „Keine Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Ausscheiden oder Körperpflege in Anwesenheit des Smartphones!“, appelliert der Gesundheitsspezialist und hat weitere Tipps fürs Digitale Detox parat:

  • Freunde und Familie wieder häufiger treffen und offline mit ihnen kommunizieren.
  • Analoge Abenteuerliste anlegen und umsetzen.
  • Fixe Online- und Offline-Zeiten für jeden Tag festlegen.
  • Mindestens 20, besser aber 90 Minuten vor dem Schlafengehen beginnt die Offline-Zeit.
  • Push-up-Benachrichtigungen deaktivieren und Aktualisierungen von Apps nur manuell durchführen.
  • E-Mails nur im Ausnahmefall in der Freizeit beantworten.
  • Einen fixen digitalen Entschleunigungstag pro Woche einhalten.
  • Einen Wecker verwenden statt des Handys.
Peter Kritscher, Mediziner
© UNIQA – Mediziner Peter Kritscher rät zu handyfreien Zeitzonen zur digitalen Entgiftung.
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admin

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