Wer heutzutage mehr als eine Sprache sprechen kann, ist deutlich im Vorteil und das nicht nur im beruflichen Alltag. Darum sollte man Mehrsprachigkeit bei Kindern fördern.
Durch die Globalisierung finden immer häufiger Menschen zusammen, die von den unterschiedlichsten Orten der Welt stammen und Freundschaften können über sämtliche Grenzen hinweg geschlossen werden. Jeder, der im erwachsenen Alter jedoch schon einmal versucht hat, eine neue Sprache zu erlernen weiß, wie unglaublich anstrengend und mühevoll dies ist, vor allem dann, wenn man nicht wirklich ein Talent dafür besitzt. Ganz anders sieht das Ganze bei Kindern aus, denn diese lernen neue Sprachen anscheinend ganz nebenbei und erreichen dabei häufig ohne großen Aufwand Muttersprachniveau. Das ist aber noch lange nicht der einzige Vorteil, den eine mehrsprachige Erziehung mit sich bringen kann, weiß die Sprachexpertin Simone Sentz de Durán. Wir durften uns mit der Fachfrau zu einem Interview treffen und sie hat uns einige weitere Gründe genannt, die absolut für einen frühen Fremdspracherwerb sprechen.
Mittlerweile konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden, dass Kinder, die nicht nur in einer Sprache sozialisiert wurden und somit mehrsprachig aufwachsen, sich auch später beim Erlernen anderer Sprachen viel leichter tun. Dies kann vor allem dadurch erklärt werden, dass bereits ein viel besseres linguistisches Bewusstsein vorhanden ist und leichter durchschaut wird, wie die einzelnen Sprachen aufgebaut sind.
Ein Kind, das mit zwei Sprachen aufwächst und zum Beispiel Deutsch mit der Mama, aber Englisch mit dem Papa spricht hat gelernt, innerhalb von weniger Millisekunden zwischen zwei Sprachsystemen zu wechseln und das ohne Probleme. Natürlich kann es vor allem in den ersten Lebensjahren passieren, dass Vokabel vertauscht werden, doch das Gehirn des Kleinkindes ist dennoch darauf trainiert, schneller zu handeln und situationsabhängig zu reagieren.
Wenn Kinder ihre ersten Wörter sprechen ist das meist mit dem Wunsch verbunden, etwas haben zu wollen und das zum Ausdruck bringen zu können. Je nachdem, wer gerade da ist, können mehrsprachig erzogene Kinder auf die benötigten Vokabeln zurückgreifen und wissen daher, dass Sprache ausschließlich im Kontext funktioniert.
Unter der sogenannten „critical period“ wird die Phase des kindlichen Spracherwerbs bezeichnet, in der eine Sprache auf Muttersprachniveau erlernt werden kann. Bei bilingualen Menschen scheint sich das Ende dieser Phase stark nach hinten zu verschieben. Der Grund dafür könnte sein, dass das Gehirn bei bilingualen Menschen länger formbar ist.
Haben Kinder erstmal das Reden für sich entdeckt, steht ihnen meist den ganzen Tag der Mund offen und es gibt wohl kaum etwas, was sie nicht erzählen. Als mehrsprachiges Kind kann man in diesem Zusammenhang noch viel mehr praktische Erfahrung mit verschiedenen Personen sammeln, wenn man zum Beispiel kleine Übersetzungen durchführt.
Laut Studien zeigen sowohl Kinder, Jugendliche als auch Erwachsene ein viel besseres Gefühl in allgemeinen Kommunikationssituationen, wenn sie mehrere Sprachen gelernt haben. So können sie sehr häufig kleine Missverständnisse, die aufgrund einer nicht adäquaten Ausdrucksweise entstehen, innerhalb kürzester Zeit als solche entlarven und diese somit aufklären.
Wenn es gelingt, Kindern mehr als eine Sprache beziehungsweise die Freude am Erlernen dieser zu vermitteln ist die Chance sehr groß, ihn oder sie zu einem toleranten und weitsichtigen Menschen zu erziehen. Können wir uns nämlich mit Menschen aus anderen Ländern unterhalten, werden Ängste Vorurteile und auch die Scheu vor dem Fremden viel schnell abgebaut und ein gemeinsames friedliches Miteinander kann gelingen.
In vielen Firmen ist man mittlerweile nicht mehr nur äußerst froh darüber, wenn sich Menschen mit guten Sprachkenntnissen bewerben, um international erfolgreich zu sein wird dies von immer mehr Unternehmen explizit verlangt. Möchte man seinem Kind also einen möglichst guten Start ins Berufsleben ermöglichen, ist es absolut empfehlenswert, auf eine mehrsprachige Sozialisierung zu setzen.
Kommunikation ist für uns Menschen ein sehr wertvolles Gut und je mehr Sprachen wir sprechen, umso besser ist es und das sowohl beruflich als auch privat. Die Sprachexpertin Simone Sentz de Durán empfiehlt daher, bereits bei unseren ganz Kleinen nicht nur auf eine Sprache zu setzen und ihnen zuhause eine mehrsprachige Vielfalt zu bieten. Ist das aufgrund der Sprachkenntnisse der Eltern nicht möglich, können fremdsprachige Einflüsse in Kindertagesstätten die perfekte Lösung sein. So werden unsere Kinder sich nicht nur später leichter tun, wenn sie andere Sprachen erlernen wollen oder einen Job suchen, generell kann ihnen beim erfolgreichen Kommunizieren mit anderen niemand etwas vormachen und das ist wohl eines der größten Geschenke einer mehrsprachigen Erziehung.

