„Mobbing hat eine komplexe Dynamik“ – Wie erkennt man Mobbing? Und was kann man dagegen tun? Psychologin Ute Riermeier über das Gruppenphänomen.
Wann spricht man von Mobbing?
Riermeier: Es ist gar nicht so leicht, normales Streit- und Aggressionsverhalten von Mobbing abzugrenzen. Grundsätzlich gibt es bei Mobbing nicht nur einen Aggressor und ein Opfer, es handelt sich vielmehr um ein bestimmtes Gruppengeschehen. Es entsteht eine innere Dynamik mit einem Anführer und Mitläufern, deren Verhalten sich systematisch gegen eine Person richtet, die sich nur schwer wehren kann, die sich isoliert, hilflos, ohnmächtig fühlt. Und es handelt sich um eine Situation, die über einen längeren Zeitraum bestehen bleibt.
Mobbing lässt sich von Erwachsenen nur sehr schwer auflösen.
Ute Riermeier, Psychotherapeutin, Familienberaterin, Coach, www.uteriermeier.at
Wie kommt es zu solchen Situationen?
Die Bewältigung von Konflikten gehört prinzipiell zur frühkindlichen Entwicklung. Dabei wird gelernt, sich abzugrenzen, Stopp zu sagen, aber auch sich zu versöhnen, zusammenhalten. Auch der Kindergarten ist so ein Lernort, an dem soziales Verhalten geübt wird. Bis zu einem gewissen Grad sind Dominanz und Aggression normal, deswegen muss man auch sehr genau beobachten, um Mobbing überhaupt zu erkennen.
Welche Anzeichen gibt es? Und wie geht man am besten mit Mobbing um?
Es ist eine Gratwanderung, eine normale Entwicklung zu fördern, aber auch zu sehen, wenn es darüber hinausgeht, und gezielt einzugreifen. Denn auch dann, wenn wir Mobbing erkennen, ist es schwierig, damit umzugehen, ohne Gefahr zu laufen, die Situation vielleicht sogar noch zu verschärfen.
Was können Eltern und Pädagogen konkret tun?
Es geht vor allem darum, die Kinder in ihrem Selbstwertgefühl zu stärken, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten sichtbar zu machen. In Rollenspielen können die Kinder lernen, Gefühle zu erkennen und zu benennen. Sichere Orte und vertrauensvolle, sichere Bindungen sind die Basis für die Kinder, sich anzuvertrauen. Generell gilt: Eltern sollten ernst nehmen, was die Kinder sagen. Halten Konflikte länger an, sollte man das Gespräch mit den Pädagogen suchen.
