Für unsere Kleinen gibt es sie noch: die geheimnisvolle Dezemberzeit voller Erwartungen und Wünsche an das Christkind. Viele heimische Bräuche lassen sich ganz einfach ins Familienleben einflechten und bewahren damit nicht nur unsere Kultur, sondern lassen die Adventzeit auch für Ihre Kinder zu etwas ganz Besonderem, Unvergesslichem werden und sie ein Leben lang begleitet, stärkt und verzaubert.
Während die Kinder in England auf Father Christmas warten, sich in Frankreich Pere Noel ans Schenken macht, in Spanien erst die Heiligen drei Könige die Geschenke bringen oder in den USA Santa Claus am Werk ist, so ist es in Deutschland der Weihnachtsmann und bei uns in Österreich ist es immer noch das Christkind, das sehnsüchtig erwartet wird und am Heiligen Abend, dem 24. Dezember, allen Menschen Freude bereitet. Im öffentlichen Leben und sozialen Medien wird leider darauf viel zu wenig geachtet, was teilweise zu einer Verwirrung bei den Kindern führt. Viele wissen gar nicht mehr, ob nun der Weihnachtsmann oder das Christkind die Geschenke bringt und wer da auf Rentieren durch die Lüfte fliegt. Umso wichtiger ist es, wieder aktiv in ein adventliches, vorweihnachtliches Miteinander zu investieren. Bleiben Sie daher zunächst bei der traditionellen Glaubensrichtung, dass zur Geburt Jesu CHRISTI das Christkind zu Weihnachten in die Wohnungen und Häuser kommt, um Geschenke und einen Weihnachtsbaum zu bringen. Das Christkind ist Jesus Christus, der am 24.12. geborene Sohn Josefs und Marias, dessen Geburtstag wir zu Weihnachten feiern.



In die auf das große Fest vorbereitende Adventzeit ab dem 1. Sonntag im Dezember fallen viele wunderschöne Brauchtümer, welche ich Sie herzlich einladen möchte, Ihren Liebsten zuteilwerden zu lassen. Gerade in Zeiten wie jetzt, wo Krisen, Gewalt und Krieg im Nachbarland unseren Alltag beeinflussen, kann das Festhalten an Traditionen alten und jungen Menschen Trost und Halt, Zuversicht und Geborgenheit vermitteln. Starten Sie mit dem Basteln eines eigenen Adventkranzes oder besorgen Sie einen im Blumenhandel. Hierzu benötigen Sie einen Stroh- oder Styroporkranz, Tannenzweige aus dem Blumenladen oder aus dem Wald, Basteldraht und Dekorationsmaterial wie Glöckchen, Zimtstangen, Tannenzapfen, Stoffschleifen und vier Kerzen in gewünschter Größe mit passenden Kerzenhaltern. Die Zweige schneiden Sie klein und befestigen sie immer in derselben Richtung mit dem Draht am Kranz. Dann werden die Dekorationsmaterialien ebenfalls mit Draht oder einer Heißklebepistole befestigt. Traditionellerweise werden in der katholischen Kirche drei violette und eine rosa Kerze zum Schmücken verwendet, die rosa Kerze ist für den dritten Sonntag vor Weihnachten, dem Freudensonntag. Am Vorabend des ersten Adventsonntags werden üblicherweise die Kränze bei Adventkranzweihen in den Kirchen geweiht. Das wäre doch ein schönes Erlebnis für die ganze Familie!

Um das Warten für die Kleinen spannend und schön zu gestalten, bekommen sie vor dem ersten Dezember einen Adventkalender. Auch erwachsene Menschen efreuen sich an dieser Tradition! Heutzutage gibt es sehr viele Varianten von Adventkalendern, bei denen jeden Tag ein Kästchen geöffnet werden darf, in welchem eine kleine Überraschung zum Genießen, Spielen oder Ansehen wartet. Am schönsten sind natürlich selbst gemachte Adventkalender. Hierzu sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt, von selbst befüllten Stoffsäckchen über Geschenke in verzierten leeren Streichholzschachteln bis hin zu Holzeisenbahnwaggons, die mit Überraschungen locken. Gemeinsam mit dem Übergeben des Adventkalenders an die Kinder und dem Aufstellen eines Adventkranzes ganz zu Beginn der Adventzeit, wird die Wohnung festlich geschmückt. Hier sollten neben Weihnachtsdekorationen auch duftende Orangen mit Nelken gespickt und Zimtstangen auf keinen Fall fehlen. Kerzenlichter und Lichterketten in Wohnung, Haus und Garten machen es heimelig und gemütlich. Vielfach geben Duftlampen mit ätherischen Ölen wie Duft nach Tannen, Weihrauch, Vanille und Orange oder Zitrone ein wunderbares Raumambiente, das in Weihnachtsstimmung bringt. Nach christlichem Glauben beginnt man nach Abschluss des Totengedenkens (Allerseelen) mit dem Dekorieren, spätestens auf jeden Fall vor dem 1. Dezember.



Ein jahrhundertealter Brauch ist es, am 4. Dezember, dem Barbaratag, Kirschzweige, die auch Barbarazweige genannt werden, in eine Vase mit Wasser zu stellen. Wenn die Zweige zu Weihnachten aufblühen, so sagt man, hat man im kommenden Jahr viel Glück. Die heilige Barbara ist eine Helferin in der Not, sie hilft dem Glauben nach bei Gewittern, Feuer, Krankheiten und beschützt Handwerker und Feuerwehrleute so wie Totengräber. Die Zweiglein gibt es in jeder Blumenhandlung für wenig Geld zu kaufen. Ihre rosa Blüten in der grauen Jahreszeit erhellen zudem unser Gemüt. Am 5. Dezember ist Krampustag und am 6. Dezember Nikolaustag. Im Brauchtum des Advents ist der Krampus als Schreckgestalt Begleiter des heiligen Nikolaus. In Teufelsmasken oder Tiermasken steht er als dunkle Gestalt neben dem heiligen Nikolaus, der die braven Kinder beschenkt, während der Krampus die schlimmen Kinder bestraft. Manchmal heißt der Krampus auch Knecht Ruprecht, am Land gibt es Krampus- und Perchtenläufe, bei denen mit großem Getöse und Lärm die dunklen Gestalten ihr Unwesen treiben. Ob Sie nun diesem Brauch beiwohnen, indem Sie so einen Krampuslauf besuchen, oder Ihren Kindern lieber nur den Nikolaus näher bringen wollen, bleibt Ihnen überlassen. Der heilige Bischof Nikolaus von Myra ist ein bekannter und beliebter Heiliger der katholischen Kirche. Man singt Nikolauslieder, stellt am Abend des 5. Dezember schöne Teller und geputzte Stiefel vor die Eingangstüre und diese werden über Nacht vom Nikolaus und seinem Begleiter dann mit Nüssen, Mandarinen, Lebkuchen und anderen Süßigkeiten gefüllt. Vielleicht macht der Nikolaus am 6. Dezember sogar einen Besuch bei Ihnen zuhause? Heutzutage kann man bei Nikolaus-bestellen.at ganz einfach einen Nikolaus „mieten“. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dies ein ganz besonderes Erlebnis für die Kinder ist. Der Nikolaus hat üblicherweise in einem goldenen Buch aufgeschrieben, ob die Kinder brav oder nicht so brav waren und händigt dann selbst seine Geschenke aus. Für Ihre Kinder bleibt es unvergesslich, wenn Sie eine Nikolausjause machen, Verwandte oder Freunde einladen und den Nikolausnachmittag gemeinsam verbringen. Vielleicht wollen Sie auch vorher in Vorfreude mit den Kindern etwas basteln? Auf www.pinterest.de finden Sie zahlreiche Bastelideen, von einfach bis schwierig, die sich für Kinder eignen. Auch Youtube bietet viele Anregungen für Tisch – und Hausdekorationen, die man selbst mit Kindern herstellen kann. Ob aus Papprollen, Buntpapier oder Wolle, es findet sich ganz bestimmt etwas für Ihren Geschmack! Beliebt ist auch das Luciafest, ein eigentlich schwedisches Fest zu Ehren einer frühchristlichen Heiligen aus Italien, der heiligen Lucia, am 13. Dezember. Das Fest wird auch Lichterfest genannt und Lucia soll Licht und Geborgenheit in die dunkle Zeit bringen. Ich habe diesen Brauch gerne übernommen und im Garten viele Lichter, Fackeln und Kerzen aufgestellt. Dazu sind abends Gäste eingeladen worden und wir haben im Freien Maroni gebraten und Hefegebäck gegessen. Die kleinen Mädchen, die zu Besuch kamen, durften sich als Lucia verkleiden mit einem weißen Kleid und einem Lichterkranz auf dem Kopf. Die Kinder lieben so einen Abend und es stimmt auf jeden Fall, diese Aktivität bringt Licht in die dunkle Zeit. In manchen Häusern und Wohnungen hängen Mistelzweige im Türrahmen. Diese Zweige sollen nach Ansicht einiger Völker Menschen vor Hexen, Geistern und Feuer beschützen und ihnen stattdessen Glück bringen. Vor allem junge Verliebte sollen sich unter dem Zweig küssen, um Glück im Leben zu haben. Versöhnung und Glück passen gut zum Fest der Liebe und ein aufgehängter Mistelzweig erinnert die gesamte Adventzeit daran, dass der Friede zuhause anfängt. Mistelzweige gibt es in allen Blumenläden. Erklären Sie Ihren Kindern den Hintergrund und Sinn und Zweck des Brauches, sodass alle Rituale eine richtige Bedeutung bekommen. Schön ist auch das Schreiben von Briefen an das Christkind. Hier werden Geschenkwünsche in schönster Schrift auf herrlichem Papier von den Kindern aufgeschrieben oder gezeichnet, die Briefe werden verziert und über Nacht auf ein Fensterbrett gelegt, wo sie „das Christkind abholen kann“. Lassen Sie sich nicht beim Einsammeln der Briefe erwischen, Sie würden einen Traum zerstören.

Vor dem 24.12., dem Heiligen Abend, erreicht uns noch die erste Raunacht, die Thomasnacht am 21.12. Die Raunächte dauern bis zum 5.1., der Dreikönigsnacht, sie sollen eine geheimnisvolle Bedeutung für die Zukunft haben. Durch das Räuchern mit speziellen Gerüchen in dieser magischen Zeit (Weihrauch, Kräuter) sollen böse Geister und Dämonen vertrieben und Unglück abgewehrt werden. An den vier Hauptnächten (21.12., 24.12., 31.12. und 5.1.) soll man keine Wäsche waschen und aufhängen. So soll Unglück ferngehalten werden. Mit Kindern kann man durch die Räume gehen und Weihrauch in Schalen verbrennen, noch schöner ist aber das Verbrennen von zwölf Wünschen in einer feuerfesten Schale. Es werden dreizehn Wünsche auf kleine Zetteln notiert und diese zusammengefaltet. Jeden Tag wird ein Wunsch gezogen und verbrannt, ohne zu lesen, welcher Wunsch auf dem Zettel steht. Ein Wunsch bleibt übrig, das ist jener, den wir uns dann selbst erfüllen müssen. Räucherstäbchen und Räucherwerk erhalten Sie zum Beispiel bei www.pranahaus.at, bei Amazon und in vielen Esoterik- und Naturproduktläden. Wer den Brauch des Glaubens an Raunächte mit den Kindern auch literarisch vertiefen möchte, kann dafür zum Beispiel das Buch „Raunächte mit Kindern erleben – Eine magische Reise für die ganze Familie- Die schönsten Rituale, Bräuche und Meditationen für die Zeit zwischen den Jahren“ von Christine Dohler zurate ziehen. Beliebt bei Kindern und Familien ist auch das Brauchtum der Herbergssuche. Dieser aus dem 16. Jahrhundert stammende Brauch lädt dazu ein, kleine Statuen von Maria und Josef in der Familie aufzunehmen und nach einigen Tagen weiter zu reichen. Er symbolisiert Josef und Maria, als sie eine Unterkunft vor der Geburt Jesu suchen, letztlich aber in einem Stall landen. Die Suche nach einer Herberge wird in Theaterstücken mit Kindern nachgespielt, entsprechende Adventlieder ergänzen das Brauchtum. Ich halte diesen Brauch für unglaublich schön und wichtig, da er den eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes unterstreicht und den Glauben an Jesus, Maria und das Christkind vertieft. Dies fernab von Kitsch, anderen Weihnachtsfiguren, sozialen Medien und Fernsehen. Jesus und Maria zu beherbergen ist für Kinder etwas ganz Besonderes! Bei der Übergabe in die nächste Familie kann man dies gerne mit einer Feier und besinnlichen Texten begleiten. Ich lade Sie herzlich ein, einige dieser wunderschönen Bräuche wieder in Ihre Adventzeit aufzunehmen, sich zu besinnen, dass wir alle Frieden und Liebe brauchen, um unser Leben schön zu gestalten. Ihre Kinder werden diese Rituale bestimmt übernehmen und gerne weitergeben. Am 24. Dezember feiern wir traditionsgemäß mit einem echten Tannenbaum und Geschenken sowie einem Festmahl Weihnachten, die Geburt Jesu Christi. Der Tannenbaum wird (heimlich) mit glitzernden Kugeln und Süßigkeiten sowie Kerzen geschmückt, unter ihm steht eine Krippe mit Josef, Maria und dem Jesuskind in einem Stall. Neben dem Baum finden sich dann Geschenke für alle. Meistens heißt es an diesem Tag für die Kinder geduldig warten, denn das Christkind kommt erst, wenn es finster ist. Bis dahin verkürzen eine Adventjause mit Geschichten, das Versammeln der Familie, ein Besuch in der Kindermesse und vielleicht ein gemeinsamer Spaziergang das Warten. Ein Festessen mit der ganzen Familie rundet eine magische, wunderbare Zeit ab. Eine besinnliche, gute Zeit für Sie und Ihre Familie!
