Selbsterhaltung ist das neue Grundprinzip in den Jugendkulturen – sagt zumindest Markt- und Meinungsforscher Bernhard Heinzlmaier.
Die Krisen der letzten Jahre haben das Denken und Handeln der Jugend völlig auf den Kopf gestellt. Drehte sich früher das ganze Leben um individuelle Selbstverwirklichung und Erfolg, sind heute Familie und Gemeinschaftlichkeit die neuen dominierenden Lebensideale. Nicht mehr Karriereträume und Fantasien vom großem Reichtum sind handlungsleitend. An ihre Stelle sind realistische Pläne und machbare Wünsche getreten. Leben mit Maß und Ziel und der „Wohlstand des Weniger“ sind die neuen Trendvokabeln. Der Wille zur Erhaltung des nützlichen Alten tritt an die Stelle der hemmungslosen Gier nach Veränderung und Innovation. Entschleunigung und Nachhaltigkeit statt Steigerungsspiel und grenzenlosem Wachstum heißt die Devise. Karriere um jeden Preis und Egoismus gelten als hoffnungslos Retro. Die Zeiten, in denen man den Egomanen zujubelte, sind vorbei.
Konservative Werte wie Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit, Treue und Verlässlichkeit feiern eine Renaissance. 80 % der 16- bis 29-Jährigen sind stolz darauf, Österreicher zu sein. Viele junge Menschen sind weniger außenorientiert und ziehen sich in die Familie zurück. „Näher zusammenrücken“ heißt das Lebensmotto der Krisenzeit. Klein ist wieder schön und Maßlosigkeit und hypertrophe Größe gelten als stillos. Der ländliche Raum und das Leben nah an der Natur sind die neuen Ideale einer vom Fortschritt enttäuschten Jugend.

Protzigkeit und Übertreibung müssen für Bescheidenheit und Understatement Platz machen. Auch im kleinen Wohlstand lässt es sich gut leben. Hoch hinaus will fast keiner mehr. Man achtet wieder auf sich und seine Gesundheit, sowohl die körperliche als auch die psychische. „Live fast, die young“ ist völlig überholt, wie auch exzentrische, schräge und schrille Modestile megaout sind. Dezent, angemessen und unaufdringlich ist auch der Kommunikationsstil unserer Tage. Wer das rechte Maß nicht findet, gilt schnell als peinlich. Marken werden dann geschätzt, wenn sie Geschichte, Tradition und Kontinuität repräsentieren. Österreichische Marken werden bevorzugt konsumiert wie auch österreichische Betriebe als die besseren Arbeitgeber gelten.
