Die Antibiotikatherapie zählt neben den Impfstoffen sicherlich zu den größten Errungenschaften in der Medizin. Es ist jedoch zumeist – gerade bei Kindern – nicht einfach, zu wissen, wann, wie und ob man ein Antibiotikum geben soll.
Vor allem bei Kindern muss natürlich der Arzt entscheiden, wann und ob überhaupt eine Therapie nötig ist. Nur der Fachmann kann beurteilen, um welche Art von Krankheitsbild es sich handelt.
Prinzipiell gilt es, als Erstes abzuklären, welche Art von Infektion vorliegt. Bei den saisonalen grippalen Infekten handelt es sich beispielsweise meistens um virale Infektionen. Hier ist ein Antibiotikum absolut sinnlos, da es keine Wirkung auf Viren hat. Häufig hat auch eine Magen-Darm-Infektion virale Ursachen, weswegen die Einnahme von Antibiotika hier ebenfalls keinen Sinn macht.
Außerdem muss man wissen, welches Antibiotikum gegen welche Bakterien eingesetzt werden kann. Auch sogenannte Breitbandantibiotika wirken nämlich nicht gegen alle Bakterien.
Oft ist es sinnvoll, vor dem Einsatz eines Antibiotikums herauszufinden, welches Bakterium gerade im Körper wütet. Dazu ist ein Antibiogramm nötig. Beispielsweise werden bei Harnwegsinfekten leider oft nicht die geeignetsten Antibiotika verwendet. Es werden so nicht alle Bakterien abgetötet, und die Infektion beginnt nach wenigen Tagen oder Wochen wieder von vorne.
Besonders bei Kindern ist beim Einsatz von Antibiotika Vorsicht geboten
Das kindliche Immunsystem ist jung und noch nicht ausgereift. Der kindliche Organismus muss erst lernen, mit den äußeren Einflüssen zurecht zu kommen und ein geeignetes Immunsystem selbstständig aufzubauen. Spätestens im Kindergartenalter und der Volksschulzeit muss sich das noch junge Immunsystem täglich gegen die unterschiedlichsten Bazillen wehren. Dadurch lernt es aber auch, mit diesen fertig zu werden. Hier ist es oft kontraproduktiv, gleich mit Antibiotika zu behandeln, denn so nimmt man dem kindlichen Immunsystem die Möglichkeit, ein gutes und starkes Abwehrsystem aufzubauen.
Bei Kindern, die zu oft und zu schnell Antibiotika erhalten, kann die Gefahr bestehen, dass sie leichter krank werden und sich wegen zu schwacher körpereigener Abwehrkräfte jeden noch so banalen Schnupfen einfangen. Ein weiterer, leider viel zu oft vergessener Nebeneffekt der Antibiotikatherapie besteht darin, dass nicht nur böse Bakterien, sondern leider auch die guten und notwendigen Bakterien im Darmbereich abgetötet werden. Doch gerade der Darm ist für unser Immunsystem so wichtig. Indem unsere guten Helfer dort zerstört werden, wird das Abwehrsystem wiederum zusätzlich geschwächt.
Was sind Resistenzen?
Bakterien bilden bei unsachgemäßer Anwendung von Antibiotika Resistenzen. Das heißt, sie lernen, sich gegen Antibiotika zu wehren, und die Antibiotika werden wirkungslos. Die WHO spricht mittlerweile von einem Antibiotikadesaster, denn jährlich sterben weltweit bis zu 700.000 Menschen an den Folgen von Antibiotikaresistenzen. Allein in den Ländern der EU sterben nach Schätzungen allein ca. 25.000 Menschen an schweren Infektionen mit resistenten Bakterien aus einer Gesundheitseinrichtung. Hier ist absoluter Handlungsbedarf gegeben. Wenn unsere Medizin zu versagen beginnt, haben wir bald keine wirksamen Mittel mehr im Kampf gegen die Bakterien! Viele Patienten wissen oft gar nicht, dass vor allem die topisch (auf der Haut) aufgetragenen antibiotischen Salben Resistenzen verursachen können. Topische Antibiotika mit den Wirkstoffen Erythromycin, Clindamycin oder Nadifloxacin sind daher für eine Langzeittherapie nicht geeignet. Doch gerade diese Substanzen werden z. B. gerne in der Aknetherapie bei Jugendlichen eingesetzt.
Auch bei Kindern werden Hautcremen mit antibiotischen Zusätzen oft viel zu gerne auf banale Schnittwunden oder Hautabschürfungen aufgetragen. Man denkt, man tut dem Kind etwas Gutes und verhindert eine Infektion. Viel sinnvoller wäre es aber, gut zu desinfizieren und der Haut mit normalen Wund- und Heilsalben zu helfen. Das normale Immunsystem eines Kindes kann mit solchen kleinen Verletzungen schon selbst fertig werden.
