Eine Untersuchung zeigte, dass die Kombination aus einer genetischen Veranlagung und Passivrauchen das MS-Risiko bei Kindern anstiegen ließ.
Passivrauchen steht bei Erwachsenen im Verdacht ein Risikofaktor für Multiple Sklerose zu sein. Doch wie sieht es bei Kindern aus?
Wird die Schutzhülle der Nerven aus Myelin geschädigt (Demyelinisierung), kann es zu neurologischen Problemen kommen. Bei Kindern ist das in 70 % der Fälle ein einmaliges Ereignis, bei 30 % der Kinder hingegen ist es der erste Schub einer Multiplen Sklerose. Bei Erwachsenen wird Passivrauchen schon länger als Risikofaktor für Multiple Sklerose diskutiert. Bisher ist aber nur wenig darüber bekannt, ob Passivrauchen ein zusätzliches Risiko neben genetischen Faktoren und anderen Umwelteinflüssen für MS bei Kindern ist. Nordamerikanische Forscher haben daher den Einfluss von Passivrauchen auf demyelinisierende Ereignisse und MS bei Kindern untersucht.
Sie untersuchten dazu 216 Kinder, bei denen es zu einem einzelnen deymelisinierendem Ereignis gekommen war, und 81 Kinder mit Multipler Sklerose. Sie sammelten Daten zu Passivrauchbelastungen, bestimmten Genen des Immunsystems, dem Vitamin-D-Level der Kinder und frühere Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus. Dies Daten wurden dann statistisch auf Zusammenhänge mit den Erkrankungen untersucht.
Passivrauchen kam bei Kindern mit MS häufiger vor, als bei Kindern, die ein einmaliges demyelinisierendes Ereignis durchlebt hatten (37 % gegenüber 29,3 %). Im Unterschied zu den einmaligen demyelinisierenden Ereignissen war Passivrauchen aber bei MS kein unabhängiger Faktor. Das bedeutet, dass statistisch gesehen Passivrauchen bei Kindern alleine ausreicht, um solche Schäden an den Nervenzellen auszulösen. Bei MS müssen hingegen noch weitere Faktoren dazukommen.
Wenn sowohl Passivrauchen, als auch bestimmte Immunsystemgene vorlagen, stieg das MS-Risiko nachweislich an im Vergleich zu dem Risiko für einmalige Nervenschäden durch Demyelinisierung. Ein Zusammenspiel zwischen Passivrauchen und Vitamin D oder Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus sahen die Forscher nicht.
Die Forscher fassen zusammen, dass Tabakrauch ausgesetzt zu sein ein Risikofaktor für Nervenschäden an Gehirn und Rückenmark bei Kindern ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass Passivrauchen und bestimmte Immunsystemgene eine Kombination von Umweltfaktoren sind, die das Risiko für MS erhöhen.
