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Home » Wenn Babys zu Passivrauchern werden
Gesund bleiben

Wenn Babys zu Passivrauchern werden

Christian NeuholdVon Christian NeuholdOktober 16, 2018Aktualisiert:März 6, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Eine neue Untersuchung zeigt ein erschreckendes Ergebnis: In Österreich sind viele Babys zuhause Tabakrauch ausgesetzt, weil die Eltern rauchen.

Laut einer Berechnung der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich sieben Millionen Menschen an den Folgen des Tabakrauchs. Umgerechnet bedeutet dies, dass Tag für Tag rund 20.000 Menschen daran sterben, also deutlich mehr Menschen als vergleichsweise in der Landeshauptstadt Eisenstadt leben. Obwohl längst bekannt ist, dass auch Passivrauchen massiv die Gesundheit schädigt und bei Kindern ganz besonders schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen nach sich zieht, ist laut WHO weltweit rund jedes zweite Kind Passivrauch ausgesetzt. Soweit die internationalen Zahlen. Aber wie sieht die Situation in Österreich aus? Eine aktuelle Studie dazu zeigt, dass in vielen Haushalten Säuglinge durch Passivrauch gefährdet werden. Kinderfachärztin OÄ Priv.-Doz.in Dr.in Angela Zacharasiewicz präsentierte die besorgniserregenden Daten im Rahmen der Pressekonferenz anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, ÖGP.

Eine Studie aus dem Wilhelminenspital in Wien, bei der die Daten von 185 Säuglingen analysiert wurden, die wegen schwerer RSV-Infektion der Atemwege (Respiratory Syncytial Virus) eingeliefert wurden, brachte nun erschreckende Ergebnisse zutage: Bei knapp 48 % der Säuglinge unter einem Jahr, die im Spital behandelt wurden, wird in deren unmittelbaren Umfeld geraucht. Knapp 42 % der rauchenden Eltern gaben bei der Befragung an, auch in der Wohnung zu rauchen. Kinderfachärztin  Angela Zacharasiewicz, im Wilhelminenspital als Oberärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, in der die Studie durchgeführt wurde, tätig und eine der Autorinnen der Studie: „Die Schädigungen durch Rauchexposition reichen vom Fötus über das Kindes- und Jugend- bis hin zum Erwachsenenalter. Je jünger die Kinder aber sind, desto verletzlicher sind sie. Denn weder die Lunge noch andere Organe, wie die für die Entgiftung wichtige Leber, sind zu diesem Zeitpunkt ausgereift.“ Im Schnitt waren die in die Studie einbezogenen Babys 106 Tage alt, also gerade etwas mehr als drei Monate. Zacharasiewicz: „Akute Atemwegsinfektionen stehen in einer direkten Dosis-Wirkungsbeziehung zur Tabakexposition; also je öfter das Kind Passivrauch ausgesetzt ist, desto größer ist der Schaden. Tabakexposition vor und nach der Geburt erhöht das Risiko deutlich, an Asthma zu erkranken.“

Bei der Befragung gaben etwa 20% der Mütter an, aktive Raucherinnen zu sein. Es ist aber anzunehmen, dass die Dunkelziffer noch höher liegt. 20% der befragten Mütter hatten – laut eigener Angabe – auch während der Schwangerschaft geraucht.

Die Studie zeigt weiters, dass Kinder mit Cotinin – dem Abbauprodukt von Nikotin – im Harn auch ein signifikant niedrigeres Geburtsgewicht hatten – dies ist vermutlich durch das Rauchen der Mütter in der Schwangerschaft zu erklären. Zacharasiewicz: „Unter anderem schädigt Rauchen – aktiv ebenso wie passiv – direkt die Lungenentwicklung des Fötus. Zusätzlich kommen indirekte Effekte durch die schlechtere Funktion des Mutterkuchens zustande, da Nikotin und andere Gifte sich hier ansammeln und ein ganz besonderer Giftcocktail entsteht“. Es kommt zu Schädigungen des Immunsystems und in der Folge zu einer erhöhten Rate an Infektionen.“

Besonders alarmierend ist die Tatsache, dass 13,5% der befragten Eltern von Säuglingen auch in Anwesenheit des Kindes selbst dann rauchen, wenn das Kind bereits an einem respiratorischen Infekt, also einem Infekt der Atemwege erkrankt ist. Zacharasiewicz: „Sie rauchen vor ihrem kranken Kind so viel, dass das Baby messbare Giftstoffwerte/Nikotinabbauprodukte im Körper trägt und diese über den Harn dann gemessen werden könnten.“

In der Studie wurde ebenfalls erhoben, in welchem Ausmaß die Babys dem Passivrauch ausgesetzt sind: In knapp 9% der Fälle gaben die Eltern der Säuglinge die Auskunft, dass täglich mehr als 20 Zigaretten zu Hause geraucht werden. 8% der Eltern geben an, dass die Säuglinge bis zu drei Stunden pro Tag in einem geschlossenen Raum verbringen, in dem geraucht wird. Im internationalen Vergleich ist dieser Anteil hoch. In Deutschland zeigte eine Untersuchung von Kuntz B et al. schon im Jahr 2012, dass laut Angaben der Eltern der Anteil der Kinder, die zu Hause Passivrauch ausgesetzt sind, auf 6,6 % gesunken war.

Zacharasiewicz: „Die Studie zeigt, wie weit Österreich beim Nichtraucherschutz, speziell, was Kinder betrifft, hinterherhinkt. Wir sind nicht einmal in der Lage, unsere eigenen Kinder zu schützen. Dabei ist die Faktenlage ganz klar: Die kindliche Lunge ist besonders empfindlich und Schäden an der Lunge während der Wachstumsphase in der Kindheit werden spätestens im Erwachsenenalter zum Problem. Ein klarer Zusammenhang zwischen schlechter Lungenfunktion und frühem Tod ist längst erwiesen.“ Die Expertin fordert ein ganzes Maßnahmenbündel: Von der Intensivierung der gezielten Aufklärung via Medienkampagnen, in Schulen und Kindergärten, bis hin zu einer drastischen Erhöhung der Zigarettenpreise und zum Rauchverbot auf Spielplätzen und allen öffentlichen Orten, wo Kinder anwesend sind.

Weitere Stories über die Gefährlichkeit des Rauchens für Kinder

Priv.-Doz.in Dr.in Angela Zacharasiewicz
© Andrea Bichl – Kinderärztin Angela Zacharasiewicz warnt: „Die Studie zeigt, wie weit Österreich beim Nichtraucherschutz, speziell, was Kinder betrifft, hinterherhinkt. Wir sind nicht einmal in der Lage, unsere eigenen Kinder zu schützen. Dabei ist die Faktenlage ganz klar: Die kindliche Lunge ist besonders empfindlich und Schäden an der Lunge während der Wachstumsphase in der Kindheit werden spätestens im Erwachsenenalter zum Problem. Ein klarer Zusammenhang zwischen schlechter Lungenfunktion und frühem Tod ist längst erwiesen.“
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