Die Frühlingszeit bringt nicht nur frisches Grün und blühende Pflanzen, sondern dadurch auch Pollen von Gräsern und Blüten, die vielen Leuten die Schönheiten der Natur vermiesen. Glücklicherweise lässt sich einiges tun, um die schlimmsten Symptome zu verhindern.
Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Thema Allergie keines, das die ganze Gesellschaft beschäftigt hat. Sogar das Wort selbst war noch weitgehend den Fachleuten und Medizinern vorbehalten. Aber jemanden, der jeden Frühling einen sogenannten „Heuschnupfen“ bekam, so jemanden kannte fast jeder. Das System war und ist genau dasselbe: Der Körper erkennt Stoffe, die in ihn eindringen, als etwas, das es zu bekämpfen gilt, und reagiert mit Entzündungen verschiedener Art. Eine solche Fehlleitung bzw. Überreaktion des Immunsystems ist mitunter genetisch bedingt – andererseits entstehen Allergien auch durch Umwelteinflüsse oder die Art, wie und wo Kinder aufwachsen. Auch Produkte, die es vor 50 Jahren kaum bei uns gab wie z. B. Kiwis, Erdnüsse oder Cashewnüsse haben einen Anteil, weiß Allergieexperte Fritz Horak vom Allergiezentrum Wien West.
Hygiene im Fokus
Vor allem das Thema übertriebene Hygiene ist in den letzten Jahren stark in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Ganz klar gilt: Hygiene und Sauberkeit sind wichtige zivilisatorische Errungenschaften. Würden wir uns und unsere Umgebung zu wenig waschen, putzen und säubern, hätten krank machende Viren, Bakterien oder Pilze ein viel zu leichtes Spiel. Übertriebene Hygiene allerdings beraubt den Körper seiner natürlichen Feinde und das – salopp gesagt – unterbeschäftigte Immunsystem wendet sich dann Stoffen zu, die in Wirklichkeit harmlos sind: Lebensmitteln, Tierhaaren, Staub … oder eben Pollen. Pollen dienen der Fortpflanzung von Gräsern, Blumen und Bäumen. Und da die Natur verschwenderisch ist, sind zu gewissen Zeiten die Pollen der jeweils saisonalen Pflanzen so gut wie überall anzutreffen. Mikroskopisch klein, bemerkt man sie nur, wenn man auf sie allergisch reagiert. In Österreich tun das immerhin 16 Prozent der Bevölkerung.
Was beim Kontakt passiert
Der Körper eines Allergikers reagiert beim ersten Kontakt mit dem Allergen (Pollen) auf den für ihn fremden Eiweißstoff. Gleichzeitig wird das Abwehrsystem des Körpers auf diesen Stoff sensibilisiert; das bedeutet, dass auch in Zukunft jedes Mal, wenn der Stoff in den Körper gelangt, eine Abwehrreaktion gestartet wird. Dabei wird meistens Histamin freigesetzt, das dann zu den typischen Symptomen des Heuschnupfens führt: verstopfte Nase, starke Niesattacken und Juckreiz in den Schleimhäuten bis hin zu Husten und Bronchitis machen Allergikern zu schaffen. Abseits der Atemwege reagiert der Körper oft mit Bindehautentzündungen. Die schlechte Nachricht: Wird der Heuschnupfen nicht behandelt, kann er sich zu einem allergischen Asthma entwickeln. Die gute Nachricht: Heute kann die Krankheit bereits gut behandelt werden, auch Immunisierungen durch die sogenannte „Allergie-Impfung“ sind in vielen Fällen möglich.
Die Behandlungen sind heutzutage schon sehr gut verträglich und haben kaum mehr ernst zu nehmende Nebenwirkungen.
Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak, Allergiezentrum Wien West
Saisonware Allergie
Je nachdem, wann jemand auf Pollen reagiert, unterscheidet man zwischen Frühjahrs-, Sommer-, und Herbst-Heuschnupfen. Denn auch im Herbst gibt es Pollen, etwa von dem aus den USA eingeschleppte Traubenkraut (Ragweed). Bei einem Verdacht auf Pollenallergie sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. Dort kann eine Reihe von Untersuchungen wie Bluttest, Lungenfunktionstest oder Hauttest Klarheit bringen. Wichtig ist auch das ausführliche Gespräch mit dem Arzt über das Wo und Wann des Auftretens der Symptome.
Möglichkeit, sich in der Saison zu schützen, wären etwa, die Natur zu bestimmten Zeiten zu meiden (siehe Tabelle weiter unten), in der Wohnung nur stoßweise zu lüften und nach der Heimkehr die Kleidung und sich selbst sorgfältig zu reinigen. Achtung: Wäsche nicht im Freien zum Trocknen aufhängen! Auch ein Filter im Auto und eine Urlaubsplanung zur Vermeidung belasteter Gebiete zu bestimmten Zeiten können vorsorglich helfen. Da der Kontakt mit Pollen in der Saison allerdings fast unvermeidlich ist, ist auf jeden Fall eine Behandlung durch den Arzt anzuraten. Bewährt haben sich dabei sogenannte Antihistaminika und cortisonhaltige Medikamente in Form von Cremes, Augentropfen oder Nasensprays.
Mit diesen Mitteln und durch Beachtung der aktuellen Pollenbelastung können heutzutage auch Allergiker das tun, was alle Menschen nach dem langen Winter am liebsten machen: einfach die schöne Jahreszeit genießen.


