Am 3. März ist der Welttag des Hörens. Diesmal steht er unter dem Eindruck des Beethoven- Jubiläumsjahres. Denn heute könnte das schwerhörige Musikgenie dank moderner technischer Hilfmittel alles hören.
Im Alter von 28 Jahren begann bei Ludwig van Beethoven die Schwerhörigkeit, die später zur völligen Ertaubung führte. Für den Komponisten eine Katastrophe. Er beschrieb seinen Hörverlust selbst als „Verbannung“.
Doch der Verlust der Hörfähigkeit ist nicht nur für Musiker besonders tragisch. Ohne Hören fehlt den Menschen ein wichtiges Fenster zur Welt. Die moderne Medizin verfügt heute über zahlreiche Möglichkeiten, die Hörfähigkeit zu erhalten und sogar den totalen Hörverlust auszugleichen. Würde Beethoven heute leben, hätte er seine Werke bis zum Schluss selbst dirigieren und hören können. Dementsprechend wichtig ist daher eine möglichst frühe Diagnose von Hördefiziten, etwa durch das Neugeborenen-Hörscreening bei Babys. Auch bei Kindern und Erwachsenen ist rasches Handeln zur optimalen Hörversorgung entscheidend für die Entwicklung von Sprache und Kognition.

Die Hälfte hört schlecht
Wie wichtig das ist, zeigt eine im Auftrag des Hör-Implantate-Herstellers MED-EL durchgeführte Studie des Marktforschungsinstituts Atomik Research. 47 Prozent der Befragten gaben an, Gesprächspartner im Alltag regelmäßig zu bitten, das Gesagte zu wiederholen, 28 Prozent stellen Radio oder Fernseher regelmäßig lauter und 17 Prozent werden immer wieder dazu angehalten, die Lautstärke von Radio oder TV-Gerät zu drosseln, da sie ihre Umgebung als störend laut empfindet. Schwerhörigkeit kann auch schon im Kleinkindalter vorkommen.
Daher steht der Welttag des Hörens am 3. März heuer unter dem Motto „Hearing for life: Don‘t let hearing loss limit you“. Rechtzeitige Hörtests und die zeitnahe Versorgung mit passender Hörtechnologie sind wichtig, um soziale Benachteiligungen durch Hörverlust, etwa bei der Ausbildung, zu vermeiden.Ältere Personen mit Hörverlust schotten sich immer mehr von der Gesellschaft ab, verlieren ihre Kontakte, vereinsamen und haben ein erhöhtes Risiko, an Depression und Demenz zu erkranken.
Die WHO und namhafte österreichische Mediziner empfehlen daher möglichst frühe Hörscans und bei dabei festgestellten Hörbeeinträchtigungen die Nutzung adäquater Hörhilfen, damit die Betroffenen weiter voll am Leben Teilnehmen können.

Hörverlust sollte so früh wie möglich erkannt werden
Ao.Univ.Prof. Dr. Kurt Stephan von der Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen der Uni-Klinik Innsbruck über das Neugeborenen-Screening.
Das Hörscreening ist als eine notwendige Untersuchung in der 1. Lebenswoche im Mutter-Kind-Pass verankert. Falls ein Kind beim Neugeborenen-Hörscreening ein auffälliges Ergebnis zeigt, so ist es wichtig, möglichst rasch eine genauere Hördiagnostik durchzuführen. Diese wird an spezialisierten Abteilungen angeboten. Falls bei dieser Untersuchung eine Hörstörung diagnostiziert wird, so ist die Versorgung des betroffenen Ohres mit Hörgerät oder Hörimplantat ins Auge zu fassen.
Ablauf des Hörscreenings und der Nachsorge
Gemäß den aktuellen Richtlinien für das Neugeborenen-Hörscreening in Österreich (SAV-Konzept) ist es wichtig, dass die sogenannte 1-3-6 Regel eingehalten wird, um eine gute Hörentwicklung des Kindes zu gewährleisten.
Dies bedeutet, dass
- bis zum 1. Monat nach der Geburt der Screeningvorgang abgeschlossen werden muss, d.h. ein gültiges Screeningergebnis vorliegt,
- bis zum 3. Monat, im Fall eines auffälligen Screeningergebnisses, die Diagnostik abgeschlossen ist und
- bis längstens zum 6. Monat für den Fall einer diagnostizierten Hörstörung die Versorgung des Kindes begonnen wurde.
Ergebnisse aus internationalen Studien haben gezeigt, dass auch eine einseitige Hörstörung Nachteile für die Entwicklung des Kindes bedeuten kann. Daher wird das Neugeborenen-Hörscreening mit Tests an beiden Ohren durchgeführt. Sollte aus irgendeinem Grund der Screeningtest kein verwertbares Ergebnis liefern, so ist es wichtig, dass innerhalb des ersten Lebensmonats entsprechende Kontrollen, die für das Kind ja keine Belastung darstellen, durchgeführt werden.
